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Full text of "Die Syrische Literatur"

HANDBUCH DER ORIENTALISTIK 

HERAUSGEGEBEN VON 

BERTOLD SPULER 



DRITTER BAND 



SEMITISTIK 






LEIDEN 

E. J. BRILL 

1954 






i68 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



169 



a. a. 0., S. 1-95) durch ihren Sprachcharakter ein besonders hohes Alter 
zu verraten scheinen. 

Von den Schopfungen einer reichen liturgischen Dichtung entstammen 
dem 4. Jh. die Hymnen eines Marqa (Marcus), Sohnes eines PriestersJ 
Amram oder Tita (Titus?) (Obers. von 12 ders. : Paul Kahle, OC. 3J 
Ser. 7, S. 77-106; weiterer J. Szuster, Marqa-Hymnen aus der samaritani- 
schen Liturgie, Diss. Bonn 1936), Stiicke seines Sohnes Nana (Nonnos?) 
und, falls derselbe mit dem Vater M.s. gleichgesetzt werden darf, aljl 
alteste solche eines Amram Dara, des* „Greises", dessen Name mit einer 
unter der Bezeichnung der ,,Perlenschnur" (Darran) indessen jedenfallsj 
auch einzelnes Spatere umfassenden Sammlung von Gedichten verbunden 
ist. Dem 11. bis 12. Jh. diirften von weiteren schon in der alteren GestaltJ 
des Defter vertretenen Dichtern ein ad-Dustan, ein Ab Geluga und ein 
Abu '1-Hasan aus Tyros angehoren. Bevor im Laufe des 14. Jhs. eine 
archaisierende Richtung im Rahmen auch der samaritanischeh Liturgie 
auf das Hebraische als Sprache aller spateren poetischen Produktion 
zuriickgriff, schliessen Gedichte eines Hohenpriesters Amram, der in] 
den J J. 1255-69 seines Amtes waltete, diejenigen der alteren SprachformJ 
ab. 

Der Dichter Marqa ist Verfasser auch des einzigen erhaltenen theolo- 
gischen Prosawerkes in samaritanischem Aramaisch, das angeblich den 
Rest eines riesigen Midrasch zum ganzen Pentateuch darstellenden Memar 
Marqa, von dessen sechs Biichern die beiden ersten dem Inhalt vonJ 
Ex. 1/15 gewidmet sind, das dritte, an Dt. 27, 9 ankniipfend, die Stellung] 
der Priester, Leviten und Altesten und die von den Israeliten nach der 
Besetzung Kanaans zu erfiillenden Pflichten behandelt, das vierte einen 
von V. 35 ausgehenden Kommentar des Mosesliedes Dt. 32 enthalt, das 
ftinfte den Tod des Moses und das sechste die religiose Bedeutung der| 
Buchstaben des hebraischen Alphabets zum Gegenstand hat. 

Anton Baumstark f 

B. DIE SYRISCHE LITERATUR 

Am 31. Mai 1948 nahm der Tod dem Verfasser des Fundamentalwerkes der Geschichte der syrischen 
Literatur die Feder aus der nimmermuden Hand, bevor noch matiche geplante oder fertig geslellte 
Arbeit der verschiedenen von ihm gepflegten Gebiete der Offentlichkeit zugdnglich gemacht werden 
konnte. Auch von dem vorliegenden Abriss fiir das „Handbuch" lag nur der Anfang bis zur Literatur 
der nestorianischen Bewegung einschliesslich im Manushript vor; ich habe mich bemuht, diese Zusaw- 
menstellung in dem von meinem verstorbenen Freunde wohl beabsichtigten Umfange fortzufiihrenA 
indem ich das Hauptgewichi auf die Eintragung der wichtigeren seit ig22 cschienenen Quellenausgdbewi 
und Literatur legte, um so bis zu einem gewissen Grade das Grundwerk fiir die Benutzer auf den gegen- 
wdrtigen Stand zu bringen, obwohl ich mir bewussi sein muss, dass mir bei der Abschliessung vow 
ausldndischen Buchermarkt manches Werk unbekannt geblieben sein mag. 

Adolf ROcker 



™ Wied ^ h0lt Ziti6rte BU ° her Und Zei tschriften habe ich foJgende Siglen verwendet- 
I CSCO = Corpus Scnptorutn Christianorum Orientalium, Script. Syri. 

I GCAL = Georg Graf: Geschichte der christlichen Arabischen Literatur, I-IV, Studi e Testi 118 
133, 146, 147, Vatikanstadt 1944/51. ' 

I LM = Le Museon. 

OrChr = Oriens Christianus, 3. Serie. Bd. 1-14 (= 23-36 der Gesamtzahlung) 

OC = Onentaha Christiana, seit ig2 3 ; ab 1935 in zwei Reihen: 

OCA = Orientalia Christiana Analecta und 
I OCP = Orientalia Christiana Periodica. 
I OLZ = Orientalistische Literaturzeitung. 

PO = Patrologia Orientalis. 
I PS = Patrologia Syriaca. 
I RAL = Rendiconti della Reale Accademia dei Lincei. 

RStOr = Rivista degli Studi orientali. 
I ZDMG = Zeitschrift der Deutschen Morgenlandischen Gesellschaft. 
I ZfS = Zeitschrift fiir Semitistik. 
I ZntW = Zeitschrift fiir neutestamentliche Wissenschaft. 

Anton Baumstark, Geschichte der syrischen Literatur mit Ausschluss der chrisUich-paldstinen- 
stschenTexte. Bonn 1922. Uber altere Darstellungen hier § re. Auf das genannte Buch wird im 
Folgenden nach §§ und deren Unterabteilungen laufend verwiesen, um der Hss.- und Literatur- 
nachweise willen auch wo ich im Text vertretene Auffassungen heute nicht mehr aufrecht zu 
halten vermag. Ausgaben und sonstige wichtigste Literatur werden nur angegeben, soweit es sich 
I um nach 1922 Erschienenes handelt. 

Alle anderen aramaischen Literaturen iibertrifft an Umfang und 
geschichtlicher Bedeutung die sich der Sprache der nordmesopotamischen 
I Landschaft Osrhoene und ihrer Hauptstadt Edessa bedienende syrische. 
, Seinen Ausdruck hat in ihr wahrend mehr als eines starken Jahrtausends 
vom 2. bis ins 16. und beginnende 17. Jh. das geistige Leben einer 
^ Christenheit gefunden, deren Daseinsraum sich zeitweilig von der Mittel- 
1 meerkuste bis nach China erstreckte. Dass diese Christenheit seit rund 
der Mitte des 5. Jhs. eine konfessionell gespaltene war, hat ihrem Schrift- 
tum nicht geschadet, sondern wesentlich zu einer Mehrung seines Be- 
standes beigetragen. In ungiinstigem Sinne schicksalhaft ist es dagegen 
fiir die syrische Literatur geworden, dass sie friih und immer starker, 
zu einem grossen Teil geradezu den Charakter einer Ubersetzungs- 
literatur annehmend, griechischem Einfluss unterlag und spaterhin diese 
Abhangigkeit in weitem Ausmass mit derjenigen von der islamischen 
Kultur vertauschte. Vollster Wert volkisch bedingter Eigenart kommt 
mfolgedessen vorwiegend nur ihren altesten Schichten zu, von denen 
umgekehrt ein nicht unerheblicher Einfluss, wie am allgemeinsten nach 
Armenien, so auf den Gebieten der Poesie und asketisch-erbaulichen 
Schrifttums nach der byzantinischen Welt hin, mindestens auf demjenigen 
jder Legende sogar weit in das Abendland hinein sich geltend gemacht 
[hat, wahrend selbst syrische TJbersetzungsliteratur profan wissenschaft- 
lichen Inhalts geistesgeschichtlich eine bedeutsame Vermittlerrolle beim 
Ubergang antiken Erbes in den geistigen Raum des Islams zukommt. 



170 



SEMITISTIK 



ARAMAISCH UND SYRISCH 



I 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



171 



i. Vorchristliches. — Literarisches Leben in dem aramaischen Idiom 
des nordlichen Mesopotamiens und seiner unmittelbaren westlichen und 
ostlichen Nachbargebiete ist alter als das Christentum dieses Raumes. 
Zeugnisse desselben sind zunachst ein neben Sokrates und Pythagoras 
beilaufig , Jesus, den weisen Konig der Juden", erwahnender Brief, 
den aus romischer Gefangenschaft ein wohl aus Samosata stammender 
Mara, Sohn Serapions, moglicherweise noch im 1. Jh. n. Chr. mi Geiste 
stoischer Popularphilosophie an seinen nach dem Grossvater genannten 
Sohn richtete (§ 2. b), und zwei in diesem Brief e zitierte Splitter noch 
alterer Dichtung in gereimten siebensilbigen Versen. Noch liber den 
unliterarischen Text eines bei den Ausgrabungen von Dura zutage ge- 
tretenen Kaufvertrages vom J. 243 {Ag.: Charles Cutler Torrey, 
Z.S. io, S. 33-45) fuhrt auch der in einer spateren christlichen Schnft, 
der von'der Begriindung des edessenischen Konigtums im J. 133/32 v. bis 
zum Mai 540 n. Chr. reichenden sog. ,, Edessenischen Chronik" (§ 14. g), 
erhaltene offizielle Bericht iiber eine Hochwasserkatastrophe, von der 
Edessa im Nov. 201 heimgesucht wurde (§ 2. a). Zu Zitaten aus einer 
„Offenbarung" eines heidnischen Propheten Baba aus Charran {§ 2. c), 
die dem Verdacht, wo nicht geradezu der Falschung, so doch christlicher 
Interpolation unterliegen, und Anfiihrungen einer Sammlung von 
„Gleichnissen (oder: Sprichwortern) der Aramaer" in lexikographischer 
Oberlieferung gesellt sich ferner der Nachhall einer noch vorchristhchen 
auch syrischen Fassung des Achiqar-Romanes, der in verschiedenen 
christlichen Texten desselben {§ 2. d) fiihlbar wird. Aus Kreisen vielleicht 
eher heidnischer als christlicher Gnosis stammt endlich ein merkwiirdiges 
Lied vom Konigssohn und der Perle in den apokryphen Thomasakten 
{§ 3. c), deren erhaltener syrischer Text im allgemeinen als Ergebms 
katholischer Bearbeitung einer dem griechischen zugrunde liegenden 
alteren gnostischen Fassung zu bewerten ist. 

Eine literarische Verwendung des Syrischen auch im Dienste des 
Judentums wird besonders in Verbindung mit der urn die Mitte des 1. Jhs. 
erfolgten Annahme desselben durch das Fiirstenhaus der Adiabene ver- 
standlich. Mit einer solchen stehen die Anfange des A. T.s. der syrischen 
Kirchenbibel, deren Bezeichnung als Pschitta („die Einfache") eine be-- 
friedigende Erklarung noch nicht zu finden vermochte, in unverkenn- 
barem Zusammenhang. So steht vor allem ihr Pentateuch zu den 
Targumen in einem Verhaltnis, das in ihm selbst letzten Grundes em 
solches erkennen lasst, das, aus der palastinensischen Heimat nach dem 
Osten iibertragen, hier eine Umsetzung in dessen Sprachform erfuhr, 



und eine entsprechende Sachlage lasst sich mit kaum geringerer Sicherheit 
itnindestens fur den Psalter feststellen, wobei in beiden Fallen von dem 
endgiiltigen Text der P. noch abweichende Zitate altsyrischer Schrift- 
^teller eine besondere Bedeutung gewinnen. 

Vgl. Anton Baumstark, Altsyrische Profandichtung in gereimten Siebensilbern [OLZ 36, Sp. 
I 345-8]; Curt Peters, Peschitta u. Targumim d. Pentateuchs. Ihre Beziehungen untersucht im 

jRahmen ihrer Abweichungen vom Masoretischen Text: [LM 48, S. 1-54]. Ders., PeSitta- Psalter u. 
1 f psaUertargum [ebd. 52, S. 275-96]. Baumstark, Peschitta u. palastinens. Targum [Biblische 

Zeitschr. 19, S. 257/70]. Ders. ZGMG, Neue Folge 14, S. 91-6 (in: Neue orientalist. Probleme bibl. 

Texigeschichte, ebd. S. 289 ff.}. Paul Kahle, The Cairo Geniza, S. 179-97. 

II 

2. Die Liter atur des altsyrischen Christentums. — An der Spitze der 

yon vornherein christlichen Literatur in syrischer Sprache steht als 

I ilteste, bis ins 5. Jh. in offiziellem Gebrauch verbliebene Gestalt syrischen 

Evangelientextes das trotz seines griechischen Titels, wie heute mit aller 

Bestimmtheit gesagt werden muss, original-syrische „Diatessaron", die 

Evangelienharmonie des ,,Assyrers" Tatianos (§ 4. b), der, in Rom durch 

Justinus den Martyrer fur das Christentum gewonnen, zu dessen Ver- 

teidigung seine griechische ,,Rede an die Hellenen" verfasste, aber um 

172/3 sich als Enkratit von der Grosskirche trennte und in seine orien- 

talische Heimat zuriickkehrte. Das anscheinend noch in Rom ent- 

standene Werk, dem neben den vier kanonischen Evangelien noch eine 

Iftinfte Quelle, wie man mit Bestimmtheit sagen darf, an dem Hebraer- 

I evangelium zugrunde lag, wird unmittelbar nur noch in dabei selten 

) kusdrticklichen Zitaten greifbar, wirkt aber in einer ausserst vielgestalti- 

fgen abendlandischen und morgenlandischen Uberlieferung nach, die eine 

I wertvollste Bereicherung durch einen erst vor kurzem entdeckten persi- 

schen Harmonietext erfahrt. 

Neben dieses ,,Evangelium der Vermischten" als ein solches ,,der 

rGetrennten" {§ 4. b) trat bald ein syrischer Text auch der kanonischen 

\ Einzelevangelien in offenbar buntester Mannigfaltigkeit mehr oder 

^/eniger von der Schopfung T.s beeinflusster Fassungen, von denen zwei 

i'tmvollstandig, nach einer Hs. des Brit. Mus.s durch Cureton heraus- 

i,gegeben (Syr. Cur.) und in einem Palimpsest des Sinai-Klosters (Syr. Sin.) 

Iisich erhalten haben, weitere durch Zitate vertreten werden. Durch 

1 solche gesichert wird daneben die ehemalige Existenz entsprechender 

k altsyrischer Texte auch der Apg. und eines die Paulinen einschliesslich 

' des Hebr. -Brief es und die drei grossen Katholischen Brief e umfassenden 

,,Apostolos" (§ 4. d). 

Ein j lingerer Zeitgenosse des T. war der am Hofe Konig Abgars IX. 



172 



SEMITISTIK 



ARAMAISCH UND SYRISCH 



lebende edessenische Gnostiker Bardaisan (geb. 11. 6. 154, gest. 222) 
(§ 3. a), dessen verschiedenartigstes literarisches Erbe mindestens teil- 
weise im Kreise seiner Schiiler eine Ubersetzung ins Griechische erfuhr. 
Von demselben ist eine die christlich-syrische Dichtung eroffnende 
Sammlung von (im Anschluss an den biblischen Psalter) 150 Gesangen 
bis auf diirftigste in Zitaten vorliegende Splitter untergegangen. Von 
Dialogen, in denen B. sich selbst die derjenigen des platonischen Sokrates 
entsprechende Rolle spielen liess, wahrend einer der Teilnehmer des 
Gespraches iiber dasselbe referierte, ist ein gegen den Schicksalsglauben 
gerichteter neben einer griechischen und lateinischen Paralleliiberlief erung 
in der Praeparatio Evangelica des Eusebios und den Ps.-Klementinischen 
Recoghitiones in der Ursprache als „Buch der Gesetze der Lander' ' erhalten. 
Zu Unrecht hat man mit B. oder seinem Kreise das ratselhafte Liederbuch 
der „Oden Salomos" (§ 3. f) in Verbindung gebracht, deren syrischer 
Text" (in einer einheitlich durch numerierten Sammlung von einem 
solchen der auch griechisch erhaltenen „Psalmen Salomos" gefolgt) 
die Obersetzung einer unmittelbar jedenfalls griechischen Vorlage ist. 
Aus den letzten Lebensjahren des B stammt die an einen „Antonius 
Caesar" gerichtete Apologie angeblich des Kleinasiaten Meliton von 
Sardes (§ 5. a), wenn anders in ihr vielmehr ein zur Unterbreitung an 
Caracalla anlasslich seiner Anwesenheit in der Osrhoene im J. 216 
bestimmtes syrisches Original zu erblicken ist. Schon Eusebios vorge- 
legen hat ferner eine von ihm in seiner Kirchengeschichte in wortlichen 
Ubertragung, wie er versichert, wiedergegebene altere Gestalt der 
Legende iiber die nach ihr an einen Briefwechsel zwischen Konig Abgar V. 
und Jesus ankniipfenden Anfange des edessenischen Christentums, 
wahrend nicht vor dem fruhen 5. Jh. deren als „Lehre des Addai" 
(§ 5. b) im Urtext erhaltene Fassung entstanden sein diirfte, zu der 
Beziehungen die . legendarischen Akten der edessenischen Martyrer 
Scharbil, Barsamja und Gurja sowie Schmona (§ 5. c) verraten. Im 
iibrigen fuhr das durch B. eroffnete literarische Leben fort, zunachst 
in haretischen Kreisen Pflege zu finden. Wir horen, dass sein Sohn 
Harmonios das dichterische Schaffen des Vaters fortsetzte. Einen 
Diakon Uda (§3. b), der urn die Zeit des Nikanischen Konzils den seinen 
verwandten gnostisch Lehren vertrat, hatten apokryphe Apokalypsen 
zum Verfasser, aus denen Anfiihrungen gemacht werden. Messalianischen 
Kreisen entstammt ein anonymes „Buch der Stufen" christlicher 
Vollkommenheit in 30 „Reden" (Ag.: Michael Kmosk6, Liber graduum, 
[PS Bd. 3] Paris 1926), das etwa urn die Wende vom 4. zum 5. Jh. ent- 
standen sein durfte. 






DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



173 



Allem Derartigen und dariiber hinaus Markioniten und Manichaern 

gegeniiber steht als der siegreiche literarische Vorkampfer katholischer 

U^echtglaubigkeit der grosse Diakon Afrem (19.6.373) (§ 6./8.), der, 

tjin seiner Vaterstadt Nisibis tatig, bis diese 363 von den Romern an die 

fperser abgetreten wurde, seit 365 fur den Rest seines Lebens in Edessa 

, eine neue bleibende Heimat fand. In Prosa hat er eine Reihe vorzugs- 

"weise seinem Kampf gegen die Haresie gewidmeter Schriften und 

Kommentare verfasst, von denen sich einer zu Gen. und dem grosseren 

Jeil von Ex. im Original, solche zum Diatessaron, den Paulusbriefen 

und der AposteJgeschichte in armenischer Ubersetzung erhalten haben. 

Das ungleich bedeutsamere dichterische Werk A.s entfallt auf die 

Gattungen vor allem des zu gesanglichem Vortrag durch einen Einzelnen 

in Verbindung mit einem Refrain eines Chores bestimmten strophisch 

gegliederten und reicherem metrischen Bau der Strophen selbst Raum 

bietenden Madrascha, aber auch einer spaterhin als Sogita bezeichneten, 

durch standige Anwendung der alphabetischen Akrostichis und durch 

dialogisch-dramatische Belebung charakterisierten Sonderform desselben, 

Wji deren Vortrag grundsatzlich zwei Halbchore und deren Vorsanger 

sich geteilt zu haben scheinen, und — unter ausschliesslichem Gebrauch 

des siebensilbigen Metrums — der erzahlenden oder didaktischen Epik 

der poetischen ,,Rede" des Memra. Der Bekampfung der Haresie gelten 

dabei auch Korpora von Madrascha-Dichtungen wie diejenigen „Gegen 

.die Irrlehrer" (Ubers. : Adolf Rucker, Bibliothek der Kirchenvater , Bd. 

i&i, Kempten 1928) und ,,t)ber den Glauben gegen die Haretiker", 

wahrend eine Sammlung „Nisibenischer Gedichte" besonders poetisch 

Wertvolles und teilweise geschichtlich Bedeutsames enthalt. Einer 

Qiterarischen Uberlieferung, wie sie hier und bei anderen Sammlungen 

jeweils inhaklich verwandter Stiicke, mit Hss. schon des 5.-6. Jhs. 

einsetzend, erfolgt, tritt eine ausgedehnte liturgische zur Seite, die eine 

sehr geringe Gewahr fur die Echtheit des nur in ihr unter dem Namen 

A.s Vorliegenden bietet. 

■ Dass unter diesem nicht nur in griechischer und aus solcher geflossenen 
arabischer Uberlieferung (vgl. &CAL I, S. 421-33), sondern auch schon 
in syrischem Urtext in der Tat nicht weniges A. fremde Gut geraten ist, 
unterliegt keinem Zweifel. In dem Einzelfalle zweier Totengesange des 
sechssilbigen Metrums lasst sich auch der wirkliche Autor in einem 
alteren edessenischen Dichter Aswana (§ 5. d) noch feststellen. A. als 
Verfasser beigelegt wurde auch ein zu hervorragender Bedeutung 
gelangtes "Prosabuch, die in einer Linie iippigen Sagenstoffes von der 
Schopfung der Welt bis zur Auferstehung Christi fiihrende ,,Schatzhohle" 



1 



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SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



! 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



175 



{§ 14. b) (engl. t)bers. von Ernest Alfred Wallis Budge, London, 
1927- s.a. Albrecht Gotze, Oberlieferung und Quellen der Sch., Heidel- 
berg 1922 und Nachwirkung der Sch., ZfS 2, S. 50-94; 3, S. 53-71. 153-77); 
Wie dieses dem Boden des altchritlischen Edessa entsprungen and in 
ihrer altesten Gestaltung die Legenden von einer zweimaligen KreuzauE- 
findung dem Aussatz Konstantins und dessen Heilung durchdie vom 
Papst Sylvester dem Kaiser gespendete Taufe, dem im byzantmisch- 
abendlandischen Raum Alexios genannten „Manne Gottes aus der 
Stadt Rom", von Euphemia und einem Goten und die im Koran 18, 
8-25 nacherzahlte, im Abendland zuerst Gregor von Tours bekannt 
gewordene Siebenschlaferlegende (§ 14. c/e). Der Welt reiner Legends 
wie einer in drei Rezensionen vorliegenden wenigstens schon stark 
legendarische Ziige aufweisenden Biographie A.s (§ 6. b) treten als 
wertvolle Versuche geschichtlicher Darstellung die Lebensbeschreibungen 
seines jiingeren Zeitgenossen, des Bischofs Eusebios von Samosata 
(§ 10 d), und des Styliten Simeon (f2. 9- 459) (§ 10. e) gegenuber. 

Ein die Geschichte des agyptischen Joseph behandelndes Epos m 

12 Memras erscheint allgemein - wie gewiss noch manches Andere wohl 

nur urn seines siebensilbigen Metrums willen - unter A.s N amen erst 

in spaterer hs.licher Oberlieferung, in alterer anonym oder als Weik 

eines sonst mit Vorliebe sich des fiinfsilbigen Metrums bedienenden 

Balai (§ 10. f), dessen verhaltnismassig wenige, im Gegensatz zum 

Reichtum wieder einer jiingeren liturgischen Oberlieferung angehorende 

(literarisch schon im 6. Jh. gesicherte) Dichtungen iiber das Jahr 432 

herabfiihren, wahrend von denjenigen eines Qurillona (§ 11. b)_ erne 

sich auf das Jahr 396 datieren lasst. Ein Vordringen sprachlich synscher 

Literatur in die hellenisiert gewesene Kiistenzone des Westens bekundet 

das dichterische Schaffen eines aus Amida gebiirtigen Presbyters der 

antiochenischen Kirche Isaak (fzw. 14. 9- 459 *. 7- 8. 461) (§ W- S). 

dessen hauptsachlich der Memra-Dichtung angehorender Nachlass fruh- 

zeitig gegen denjenigen zweier jiingerer aus Edessa stammender Dichter 

gleichen Namens (§ 24. a) nicht mit Sicherheit abzugrenzen war. J 

Andererseits war die Botschaft des Evangeliums aus dem Stamm- 
gebiet der syrischen Literatur friih und mit nicht genngem Erfolg m 
den persischen Osten hinausgetragen worden, und demgemass gebrauchte 
dessen Christenheit die Sprache j enes Gebietes wie im Gottesdienst , so aucA 
in literarischer Produktion. In den JJ. 337 bis 345 hat hier der „persi- 
sche Weise" Afrahat (§ 5- f) in zwei Gruppen zu 10 bezw 12 Nrn. seme 
durch alphabetische Akrostichis zusammengehaltenen Abhandlungen 
verschiedenen theologischen Inhalts vollendet und durch erne unter dem 



Intel ,,Von der Traube" der ATlichen Geschichte gewidmete erganzt. 

IfVlartyrerakten, von denen Sammlungen durch den Bischof Maruta von 

Maiperqat (§ 9. c), dessen Name mit einer apokryphe Kan ones desselben 

Enthaltenden Schrift iiber das Nicanische Konzil verbunden ist, und 

rdurch den Katholikos (= Oberbischof von Seleukeia-Ktesiphon) Achai 

(■j- 415/6) (§ 9. b) veranstaltet wurden und eine dritte (§ 9.0), durch 

eine noch wahrend des Wiitens der Verfolgung abgefasste umfangreiche 

■Lobrede auf die Martyrer eingeleitet, erhalten ist, sind abgesehen von 

fewei legendarischen Berichten iiber angebliche Martyrien schon friiherer 

2eit aus den blutigen Verfolgungen hervorgegangen, deren Sturm seit 

dem J. 339/40 mit Intervallen eines mehr oder weniger kurzen Religions- 

|fjiedens bis tief in die zweite Halfte des 5. Jhs. dahinging. Die Sammlung 

•ihrer Konzilsakten (§ 9. c), die ihren Abschluss erst in islamischer Zeit 

unter dem Katholikos Chnanischo* I. (§ 33. h) zwischen 773/4 und 779/80 

erfuhr, wird durch diejenigen einer wahrend des ersten jener Intervalle 

im Februar 410 in Seleukeia abgehaltenen Synode eroffnet. Auch eine 

Weiheordnung spatestens etwa des vorletzten Fiinftels des 5. Jhs. 

\\ (§ 9. d) scheint sich aus ihr erhalten zu haben. 

I Hand in Hand mit der Hochbliite altsyrischer katholischer Original- 

literatur gingen zweifellos auch schon die Anfange einer umfassenden 

' Obernahme griechischen Schrifttums in Obersetzung oder Bearbeitung. 

Kereits in der altesten datierten syrischen Hs. vom J. 411 liegen in 

§yrischer Obertragung die nur in dieser vollstandig erhaltenen vier 

'Biicher des Titos von Bostra (§ 10. b) gegen die Manichaer, von Werken 

Lies Eusebios (§ 10. a) die im Original verlorenen fiinf Biicher 7tsp! 

"•.Geocpocvetas und eine in ihrer ersten Halfte mit den BB. 1/4, 1 der lat. 

StecognitioneS, in der zweiten mit dem Nmrn. 10/14 d er griechischen 

l*0(jtiXiai zusammengehende Rezension des altchristlichen Klemens- 

JRomans, in einer Hs. des Js. 462 mit einer Liicke, in der B. 6 und der 

, grosste Teil von B. 7 untergegangen sind, eine solche der Kirchen- 

R|eschichte des Eusebios vor (mit griechischem Paralleltext hrsgeg. von 

Wilhelm Frankenberg, Texte u. Unters. 48, 3, (1937), s.a. ZDMG, 

N.F. 16, S. 577-604). Unmittelbar bis ins 5. Jh. hinauf diirfte die hs.liche 

^ Uberlief erung verschiedener Fassungen auch der Legende vom Lebens- 

, ende der Gottesmutter (§ 14. f) fiihren, hinter denen letzten Endes 

deren dem Apostel Johannes zugeschriebener anscheinend aus Konstan- 

tinopel stammender. griechischer Text steht, und kaum jiinger wird sein, 

I was sonst an Obersetzungstexten NTlicher Apokryphen-Literatur vorliegt 

3(§ 11. c/e). Das Ansehen, das eine Herkunft aus dem Griechischen verlieh, 

wird durch die Fiktion einer solchen beleuchtet, um die es sich bei einer 



176 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



mit Eusebios in Zusammenhang gebrachten originalsyrischen t) Ge- 
schichte des Zebedaiden Johannes" handelt. Die Vorlage der altesten 
Ubersetzung von Syiiodalkanones (§ 12. g) hat nach Ausweis des Fehlens 
derjenigen des zweiten allgemeinen Konzils von Konstantinopel eine 
noch vor 381 entstandener griechischen Sammlung gebildet. Wiedergabe 
eines anscheinend in J. 476/7 entstandenen juristischen Lehrbuches ist- 
das sog. syrisch-romische Rechtsbuch (§ 12. h). Das Einsetzen hs.licher 
Uberlieferung mit Texten wenigstens schon des 6. Jhs. lasst ein solcb.es 
dank der Ubersetzungstatigkeit selbst bei Chrysostomos (§ 12. e) und unter 
den drei grossen Kappadokiern mindestens bei Baseleios (§ 12. c), im 
— moglicherweise schon friihen — 5. Jh. als durchaus denkbar erscheinen. 
Gleiches gilt auf dem Spezialgebiet einer monchisch-asketischen Literatur 
beziiglich der Antoniosbiographie des Athanasios, eines Briefes 4es 
Antonios selber, des Nachlasses seines Schiilers Ammonas, der Haupt- 
werke des Euagrios (Ag. : ,,Der Schrift Tcepl eux^ Irenaus Hausherr, 
OCP 5, S. 8-18), einzelner Abhandlungen eines ,,Eremiten" Markos und 
in deren altesten Ubersetzungen beziiglich der ,,Historia Lausiaca" des 
Palladios und der lat. von Rufinus bearbeiteten ,,Historia monachorum" 
(§ 13. a, b, d, h, i). Von einer eigentumlichen Problematik umgeben ist 
hier, in einer besonders reichen, gleichfalls mit Hss. schon des 6. Jhs. 
beginnenden Uberlieferung vorliegend, eine ausgedehnte Masse ver- 
schiedenartigen Schrifttums unter dem Verfassernamen Johann (§ 13. f), 
von der bisher erst eine einzige Nr. wirklich bekannt ist (Ag. : Sven 
Dedering; /. v. Lykopolis, Ein Dialog ub. d. Seele u. d. Affekte d. 
Menschen, Uppsala 1936, Ubers. : Irenaus Hausherr, Jean le Solitaire 
(Ps-J. de Lykopolis). Dialogue sur Tame et les passions = OCA 120, 
Rom 1939). Man glaubte auch sie aus dem Griechischen iibersetzt und 
erblickte den Autor der vermeintlichen Originale in dem ,,Seher" 
J. von Lykopolis, einem Zeitgenossen Theodosios' d. Gr. Tatsachlich 
scheint es sich aber um ursprunglich syrische Texte geringeren Alters 
zu handeln und naherer Untersuchung noch die Frage zu bedurfen, ob 
diese nicht von einer Mehrzahl gleichnamiger Verfasser herruhren und 
wie sie dann auf diese zur verteilen sein sollten. 

Durchaus im Zeichen immer engeren Anschlusses an das Griechentum 
hat dagegen wieder die weitere Entwicklung der Pschitta sich vollzogen. 
Im AT (§ 4. e, f) erfuhren die Schriften des hebraischen Kanons eine 
im einzelnen verschieden stark eingreifende Uberarbeitung unter dem 
Einfluss griechischer Texte, die in ihm fehlenden Teile der Septuaginta 
eine Ubersetzung aus dem Griechischen. Fur I Makk. liegen sogar zwei , 
verschiedene Texte vor, und in Tob. sind zwei nach verschiedenen 






die aramaische und syrische literatur xyy 

griechischen Vorlagen gearbeitete Stiicke verbunden, in Ekkles mehrere 
teils nach den wiederaufgefundenen hebraischen Originalen teils nach 
dem Griechischen arbeitende Ubersetzerhande zu unterscheiden Min- 
destens unmittelbar aus dem Griechischen geflossen sind Ubersetzungen 
auch des sog. IV. Buches Esra, der nur in diesem syrischen Text 
uberhaupt erhaltenen Baruchapokalypse und einer Gruppe apokrypher 
Psalmen, ohne dass wenigstens die letzten im Rahmen biblischer Hss 
auftraten. In einer solchen begegnet dagegen einmal sogar ein Auszug 
aus dem , Jiidischen Krieg" des Flavins Josephus, unter dessen Namen 
missverstandhcherweise auch der syrische Text einer Sammlung asopi- 
scher Fabeln geraten ist. Das Ergebnis einer Revision nach dem Griechi- 
schen, die emem altsyrischen, in den Evangelien anscheinend besonders 
dem Diatessaron nahen, Text zuteil wurde, ist die Pschitta des NTs 
(§ 11. g). Die Vermutung, dass in ihr naherhin eine „ Ubersetzung" des 
NTs zu erblicken sein sollte, die durch dessen anziehende Biographie 
fur den Bischof Rabbula von Edessa (ord. 411/12, f 8. 8. 435) (§ n f) 
bezeugt wird, dessen originalsyrischer Nachlass sich neben einigen 
Prosastucken auf eine bestimmte Gruppe liturg. Dichtungen beschrankt 
hegt von vornherein sehr nahe. Doch miisste das Werk dann seinen 
letzten Lebensjahren entstammen, da die syrische Zitate des NTs die 
er selbst seiner friihestens im J. 430 entstandenen Ubersetzung der an 
Kaiser Theodosios II. gerichteten Schrift des Alexandriners Kyrillos 
icept T7j<; 6p07j<; TC £arew(; einfiigte, mit der Pschitta nicht ubereinstimmen 
sondern emem noch reiner altsyrischen Text entnommen sind. 

u Y^r T I' KTER % D ^ DiateSSar0n TaHanS - Seine ^erlieferung «. sein Nachwirken im Mor gen- 
ii Abendland soxme d. heuttge Stand seiner Erforschung [OCA 123 Rom io,ol plm ^T„fj n 

ZT [ jff, f Onentaha, N. 10 ,Rom 1943]. Hans Heinrich Schaeder Bardesanes von 
Edsssam d Oberhefemng d. griech. u. d. syr. Kirche [Zeitschr. f. Kgsch. 51 S 2I7T BerTharh 

in 

j 3- Die Literatur der nestorianischen Bewegung. — Rabbula steht bereits 
im vollen Vorfeld des grossen christologischen Glaubenskampfes, der die 
. f 11 der synschen Kirche zerriss und gleichzeitig, weil er primar auf 
gnechischem Sprachgebiete ausgetragen wurde, in umfassendster Uber- 
setzungstatigkeit das geistige und literarische Leben der entstehenden 
^onderkirchen um so enger an das Griechentum band. Der erste Akt 
<iesselben gait der in der antiochenischen Theologie wurzelnden Unter- 






178 



SEMIT1STIK — ARAMA1SCH UND SYRISCH 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



179 



scheidung zweier Personen in Christus, ihre Vertretung durch den auf 
den Patriarchenstuhl von Konstantinopel erhobenen Nestonos und 
dessen 431 in Ephesos erfolgte Verurteilung und Absetzung, an der die 
Bischofe Syriens nicht beteiligt waren. Letzter Herd einer gegen 
dieselbe sich erhebenden Opposition wurde eine bliihende theologische 
Akademie Edessas, die „Schule der Perser". Aus ihr hergevorgangen 
ist der bischofliche Nachfolger Rabbulas, der von der Uberlieferung 
gelegentlich als „der tjbersetzer" schlechthin bezeichnete Hiba (f 28. 
10457) (§ 15- a). Er, ein antiochenischer Archidiakon und Staatsarzt 
Proba (Probus) (§ 15. c), auf den Reste von Kommentaren zur E^ocyto^ 
des Porphyron der Schrift nepl kp^veUc, und den 'AvaXimx&jrpd'rcpa 
zuriickgehen, und ein nicht naher bekannter Kumi (oder Kumai?) 
(S ik b) werden als die massgeblichen Vertreter einer Ubertragung der 
logischen Schriften des Aristoteles und der im Original untergegangenen 
Werke des Theodoros von Mopsuestia (§ l 5 . d) betrachtet, von denen 
sich im Syrischen neben dem Kommentar zum Joh.-Evangelmm die 
Katechesen iiber das als Taufsymbol verwendete Nikanische Glaubens- 
bekenntms, das „Vater unser", die Tauf- und Messliturgie erhalten 
haben (Ag • Alfons Mingana in: Woodbrooke Studtes 5 u. 6, Lambr. 
10,2/33), wahrend von Nestorios (§ 17. *) gleichfalls nur in synscher 
Ubersetzung die „Handel des Herakleides" betitelte Selbstverteidigung 

vorliegt. 

Eine erste schon durch Hibas Nachfolger Nonnos 4 57 vorgenommene 

gewaltsame Reinigung der Perserschule von nestorianisch gesmnten 

Elementen und ihre 489 von Kaiser Zenon verfiigte volhge Schhessung 

drangten bedeutende theologische Kopfe iiber die romische Grenze in 

das Sassanidenreich, dessen Kirche in Folge ihres Wirkens und der 

Freigabe der Priesterehe unter Katholikos Aqaq (Akakios) (f 49^) m 

Charakter einer in Lehre und Disziplin von der katholischen Kirche des 

Romerreichs sich unterscheidenden Sonderkirche annahm. Em uberra- 

gendes geistiges Zentrum erstand dieser an der theologischen Schule von 

Nisibis (§ 17. a), in deren Verfassung und Betrieb ihre vom 21.10.49b 

datierten Statuten einen Einblick gewahreh. Ihr zur Seite trat erne 

solche von Seleukeia, die Griindung des 540 ordinierten Katholikos 

Mar(j) Aba I (f 29. 2. 552) (§ 18. a), dessen TJbersetzungen zweier MeJ 

hturgien unter dem Namen des Nestorios und Theodoros von Mopsuestia 

neben der angestammten originalsyrischen „der Apostel Mar(]) und 

Addai" gleich von ihm verfassten Refraintexten zum responsonscnen 

Psalmenvortrag sich dauernd in Gebrauch erhalten haben, wahrend . au 

eine fur ihn bezeugte Ubersetzung des ATs aus dem Griechischen spatere 




2itate eines die Rezension des Lukianos wiedergebenden syrischen Textes 
zuriickgehen diirften. 

Der Ubersetzung vom Westen her einstromender griechischer theolo- 
gischer Literatur begegnete vom Osten her eine solche unmittelbar von 
Pehlevivorlagen, die nicht unerheblich bedeutsamer gewesen sein mag„ 
als die beiden erhaltenen Beispiele der von einem Periodeutes Bud 
|(§ 19. c) gefertigten des auf einen buddhistischen Fiirstenspiegel Indiens 
2uruckgehenden Tierbuches von Qalilag und Damnag und derjenigen. 
des ursprunglich griechischen Alexanderromanes (§ 19. d) ahnen lassen. 
Nur verhaltnismassig weniges hat sich auch an originalsyrischen Pro- 
dukten des reichen literarischen Lebens erhalten, das in der immer 
akzentuierter nestorianischen Ostkirche pulsierte und auch durch die 
arabische Eroberung zunachst keinerlei Einbusse erlitt. So hat sich 
sofort von den dem grossten Teile des ATs gewidmeteten Kommentaren 
des Hervorragendsten der 457 aus Edessa Vertriebenen, Narsai's (§ 16. d) 
der noch das J. 503 iiberlebte, nichts, von seinen rund 400 umfangreichen,. 
auf der Grenze zwischen den Gattungen des Memra und Madrascha 
stehenden Gedichte in grundsatzlich siebensilbigem Metrum, die ihn 
als ,,Harfe des Heiligen Geistes" bezeichnet werden liessen, haben sich 
nur kiirzere liturgische Teilsammlungen erhalten, wobei seine Autor- 
schaft gegeniiber einer mit einer. solchen verbundenen Reihe von Sogita- 
Dichtungen wie bei einem vierteiligen Epos iiber den agyptischen 
Joseph rnehr als zweifelhaft und eine ,,poetische" Erklarung der Mess- 
mturgie von hochstem liturgiegeschichtlichem Interesse zwischen ihm 
und einem erst dem 13. Jh. angehorenden Metropoliten Abdischo c von. 
Elam strittig ist. 

Noch dem 6. Jh. entstammen weiterhin eine Sammlung von Traktaten 
uber die Feste und heiligen Zeiten des Kirchenjahres. Mit ihr verbunden 
sind die Namen zweier Edessener Thomas (§ 18. c) und Kyros (§ 18. d),. 
des ersten Vorstandes der Schule von Seleukeia, Isaias (§ 18. f), und des 
Adiabeners Chnana (§ 20. b), der, 572 an die Spitze derjenigen von 
Nisibis berufen und Urheber neuer Statuten derselben, durch Abkehr 
von der Autoritat des als ,,der Erklarer" schlechthin verehrten Theodoros 
in schweren innerkirchlichen Wirren leidenschaftlichen Widerstand aus- 
loste. Gleiches gilt. von einer Abhandlung iiber das liturgische ,,Dreimal- 
heilig" des 581 ordinierten Katholikos Ischo^hjab I. (t, 596) (Ag,: 
Furlani, RStO 7, S. 687-715.). Als im ersten Drittel des 7. Jhs. der 
vodetzte Sassanide Chosrau II. von 618/19 bis 627/8 die Neuwahl eines 
Katholikos verhinderte, hat die stellvertretende Leitung der Kirche in 
der Hand Babais d. Gr. (§ 22. h) gelegen, von dessen zahlreichen Heiligen- 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



lgo SEMITISTIK iRM/Ubv-o uw *■»—— 

biographien diejenige eines Martyrers Georgios neben einem Kommentar 
zu den Centurien des Euagrios und einem dogmatischen Werke ,,Uber 
die Union" von Gottheit und Menschheit in Christus erhalten ist. 

Tene Arbeit Babais ordnet sich einem Kreis von doch nicht g an2 
Wenigem und teilweise besonders Wertvollem ein, das auf dem Gebiete 
geschichtlicher DarsteUung an altnestorianischem Schr.fttum erhalten 
blieb Unter weiteren Martyrerakten (§ 22. f) verdienen diqemgen ernes 
Qardag, Statthalters der Adiabene, Hervorhebung. Mar(j) Aba I. hat 
1 einem Ungenannten, ein 596 ordinierter Kathobkos Sabnscho' I. 
( t 18 q 604) (§ 20. e) an einem Monche Petros einen B.ographen gefunden 
S 22 b). Anscheinend auf zwei verschiedene Trager des Namens Bar- 
chadbschabba (§ 22. c) zu verteilen sind eine Schr.ft uber die „Schul- 
griindungen" und erne kirohengesehichtliohe Arbeit in 32 Kapp. unter 
im Titel einer „Geschichte der um der Wahrheit wdlen veriolgten 
Vater" (Ag : Der Kapp. z-18: FRAN901S Nau, PO 23,5, 19-32, PC 9,5). 
Ein Mschichazka (§ 22. a) veriasste zwischen 540 und 55* oder 569 die 
auf Grund einer um die Mitte des 5. Jhs. entstandenen DarsteUung ernes 
Abel uber die Anfange des persisohen Christentums unerwarte es Inch 
verbreitende „Chronik von Arbela", deren histonsche Zuver assjgto 
indessen nicht tiber jeden Zweifel erhaben ist. Erne Art von Seitenstu k 
zu ihr stellt eine ..Geschichte von Karka dBet Slok und seiner Ma tyrer 
(8 22 b) dar. Zwischen demjenigen einer Weltgeschichte und theologisch 
orientierterGeschichtsphilosophie schwankt der Charakter des bis zuM 
T 686 herabftihrenden „Buches der Hauptpunkte der Geschichte der 
Welt der Zeit" eines Johann bar Penkaje (§ 32 i) von ^™g&* 
teils prosaischen, teils poetischen Nachlass sich em geger 1 sit t hche ,V e - 
fallserscheinungen des Monchtums gerichteter Memra „uber di Gotte - 
furcht" erhalten hat. Ungefahr zu gleicher Zeit entstanden smd die be 
hochster Hterarischer Anspruchslosigkeit ^^f^^JZ 
Zeit der letzten Sassaniden beachtenswerten Verscmedenen E^ahlungei, 
aus der Kirchen- und Weltgeschichte" der Zeit zwischen 590 und 63* 
eines Unbekannten (§ 32. b) und eine ^^^^21 
die einem Rabban Hormizd, dem Grander des noch "eute unter e.iiem 
Namen bestehenden Klosters von Alqosch, se.n Schuler Smieon widmeS 

(§ Bedeutsamer als durch seine Biographie des 620 als letztes ^hervor- 
ragendes Opfer sassanidischer Verfolgung gefallenen Mar tyrrs ^» 
sabran und die Sammlung seiner nach seiner Wirk samke.t als Bisdic* 
Metropoht und Katholikos geordneten Briefe is der zor le z genannM 
Wflrde 647/8 Oder 6 S o/i erhobene Ischo'jabh III. (t 657/8) (§ 3°- « 



j^DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



I«I 



durch. die auf ihn zuriickgehende massgebliche Redaktion der liturg. 
\ Bucher der nestorianischen Kirche, wahrend sein Zeitgenosse c Ena- 
[nischo* (§ 31. a) dem Monchtum derselben unter dem Titel des „ Para- 
dieses der Vater" das Standwerk seiner Erbauungsliteratur schenkte, 
das ursprunglich mindestens die ,,Historia Lausiaca" des Palladios, 
(Neuer Abdruck des 1907 erschienen „Paradise or garden of the Holy 
[Fathers" von Ernest Alfred Wallis Budge in den 2 Banden Stories 
of the Holy Fathers und The Wit and Wisdom of the Christian Fathers 
of Egypt. The Syrian version of the Apophthegmata Patrum, London 1934) 
eine zweite Reihe diesem zugeschriebener Erzahlungen, die hier unter 
dem Namen des Hieronymos gestellte ,,Historia monachorum" und ein 
gleichfalls aus drei Schichten aufgebautes Sentenzenkorpus umfasste 
und wohl erst spater durch Ubersetzungen auch des ,,Asketikons" des 
'Pachomios und der Schriften des Hieronymos uber Paulos und Malchos 
erweitert wurde. 

Von der Lebensordnung jenes Monchtums vermitteln ein Bild die 

iRegeln, die dem Kloster auf dem Berge Izla dessen Griinder Abraham 

von Kaschkar (f 8.1.588) (§ 21. a) und dessen Nachfolger Dadischo' 

(t 607) (§ 21. b) gaben. Von dem aus seinen Kreisen bis um die Mitte des 

i§. Jhs. hervorgegangenen und teilweise weit uber die Grenzen seines kon- 

fessionellen Mutterbodens zu Verbreitung und hohem Ansehen gelangten 

asketischen und mystischen Schrifttum hat sich am vollstandigsten im 

; Original wie in arabischer und je einer aus dieser geflossenen griechischen 

und athiopischen Ubersetzung der Nachlass des zwischen 657/8 und 

680/1 auf den dortigen Bischofsstuhl erhobenen Isaak von Ninive (§ 35 d) 

■und in syrischer, arabischer und athiopischer Gestalt derjenige des 

jenseits jener Grenzen als der „Geistliche Alte" zu einer Art legen- 

darischer Gestalt gewordenen Johann von Daljata (§ 35. e) erhalten. Mit 

dem Letzteren teilte das Schicksal einer posthumen Verurteilung wegen 

ketzerischer Anschauungen ein bei der arabischen Eroberung als sieben- 

jahriger Knabe in Kriegsgefangenschaft geratener Joseph Chazzaja 

[(§ 35- c )> von dessen ausserordentlich umfangreicher und mannigfaltiger, 

mindestens teilweise unter dem Namen seines Bruders 'Abdischo' ent- 

falteter schriftstellerischer Tatigkeit vorerst zwei bescheidene Proben 

des der Vernichtung entgangenen Bruchteils ihrer Friichte (Ag. : Alfons 

Mingana in: Woodbrooke Studies 7, Cambr. 1934, S. 145-64, 256-79) 

Rinen gewissen Begriff geben. Erhalten sind hier ferner neben 5 Briefen 

desselben der grosste Teil des asketischen Jugend- und Hauptwerkes 

eines Sahdona (Martyrios) (§ 35 a), den eine formliche Absage von der 

"nestorianischen Christologie um die Mitte des 7. Jhs. schon zu Lebzeiten 

Handbuch der Orientalistik III 12 






182 



SEMIT1STIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE . LITERATUR 



183 



dem Kirchenbann verfallen liess, ferner Ausziige aus einem durch Ankniip- 
fung des Seelischen an die Organe des Korpers und ihre Funktionen 
merkwiirdigen Werkes (Ag.: ebd., S. 1-69, 280-320) eines Simeon dTai- 
buteh, der als Arzt sich hohen Ansehens erfreute (§ 32. g), von Abraham 
bar Daschandad (§ 33- d) ausser Resten eines Kommentars zur Uber- 
setzung der griechischen asketischen Schriften eines Markos em Send- 
schreiben an einen vom klosterlichen zum Einsiedlerleben iibergehenden 
Bruder Johann (Ag.: ebd., S. 185-97. 2 4^55) und verschiedene u.a. 
iiber den Branch einer siebenwochigen Retraite ins Einsiedlerleben 
handelnde Stiicke (Ag.: ebd. 70-143, 201-47) eines 'Abdischo' Qatraja 
(§35.h). Nach Ausweis seiner Hauptschrift (Ag.: Irenaus Hausherr, 
Gregorii Monachi Cy^rii „De theoria sanda, quae syriace interpretata 
dicitur visio divina" [OCA no, Rom 1937] gehort endlich der Welt 
nestorianischer Monchsmystik des 7. Jhs. in Wirklichkeit em fruher 
irrtiimlich ins 4. Jh. versetzter Monch Georg an, der, geborener Perser, 
einen Teil seines Lebens auf Cypern verbrachte (§ 9. f). 

Vel L Ortiz da Urbina, Storia e cause dello scisma delta Chiesa di Persia, OCP 3, S. 456-504. ^ 
Ders' II valore storico delta Cronaca Adiabena, ebd. 2, 5 /33- Arent Jan Wensinck Isaak of 
Ninuleh. Mystic treatises translated from Bedjan's Syriac text with an i nlroducHon and renter 
Amsterdam 19*3. Adolf Rucker,. Eine Anweisung fur Geistl. Vbungen nesUpan. Monched. y. 
j2huTderts OC 3> Ser. 9, S. 189-207. Ders., Aus dem mystischen Schnfttum nestor. Monche 
%s6Tjahrhund?rts [Morgenlandls, 38-54]- Jacob van der Ploeg, Oud-synsch MonmksUven 
Leiden 1942. 

4. Die Literatur der monophysitischen Bewegung. — Der Gegensatz zur 
Lehre des Nestorios loste bald den auf einer Uberspannung der alexan- 
drinischen Theologie beruhenden Monophysitismus aus, der eine einzige 
gott-menschliche Natur in Christus annahm und selbst im ostromischen 
Reiche, besonders in Syrien, bis zum Regierungsantritt K. Justins (518) 
infolge'der kaiserlichen Kompromisspolitik zu einer der Einnaturenlehr^l 
gunstigen Zuriickstellung der Beschliisse von Chalkedon (451) fiihrte^ 
Sogar K. Justinian musste aus politischen Rucksichten die Weihe von-, 
zwei monophysitischen Bischofen fiir Syrien gestatten, von denen Jakob^ 
Burde c ana in unermiidlicher Arbeit die dem Untergange nahe Kirche 
seiner Konfession reorganisierte, die zeitweilig vom Staate verfolgt 
wurde, so dass schliesslich die Eroberung durch die Araber ahnhchj 
wie in Agypten vielfach als Erlosung begriisst wurde. 

Fuhrend im literarischen Kampfe fiir die monophysitische Lehre wafl 
zunachst der Patriarch Severos von Antiochien (512/518, f 528 in der, 
Verbannung). Seine griechischen Schriften sind bis auf gennge Reste 
verloren, aber in zahlreichen syrischen Ubersetzungen erhalten; polemi- 
sche We'rke: Philalethes, iibersetzt von Paulos von Kallinikos (§ 25. M 



- 

; 



(Ag. : A. Sanda, Beirut 1938) ; Contra Grammaticum, von dems. Uber- 
setzer (Ag. : J. Lebon, CSCO IV, 4-6, 1938) ; gegen Julian von Halikar- 
nass, der wegen seiner Sonderlehre, dass Christus vom ersten Augenblicke 
seiner Menschwerdung den korperlichen Schwachheiten riicht unter- 
worfen war (Aphthartodoketismus) mit Severos in Streit geriet (Ag. : des 
L Teiles von A. Sanda, Severi Antiiulianistica, Beirut 1931; vgl. 
R. Draguet, Julien d'Halicarnasse, Lowen 1924 und: Pieces de Pole- 
mique Antiiulianiste, [LM 44 (1931) S. 215-317]. Von den zahlreichen 
Briefen des S. existiert eine geschlossene Sammlung des 6. Buches, 
iibersetzt von Athanasios von Nisibis (§ 40. g) (Ag. : W. E. Brooks, 
London 1903/4) und eine solche vermischter Briefe (Ag. : PO 12, 2 und 
14, 1). Die 125 Homilien, die S. als Patriarch hielt, 'OjJuAwct. InSpovioi, 
hat Paulos von Kallinikos (§ 25. a) iibersetzt, eine Neuiibertragung 
fertigte Jakob von Edessa (§ 40. e) an (Ag. : der Homilien 52 bis 112 in 
PO 4, 1 ; 8, 2 ; 12, 1 ; 16, 5 ; 20, 2 ; 23, 1 ; 25, 1 ; 22, 2 u. 25, 4) . Sein Kirchen- 
gesangbuch, Antiphonae (spater Oktoechos genannt) hat unter Wahrung 
des metrischen Charakters Paulos von Edessa (§ 29. e) iibersetzt, eine 
Neuiibersetzung unternahm mit noch grosserer Akribie Jakob von 
Edessa (§ 40. e), der alle vom Urtexte abweichenden Erweiterungen durch 
andersfarbige Tinte andeutet und Anmerkungen hinzufiigt (Ag. : E. W. 
Brooks, PO 6, 1; 7, 5). Eine S. zugeschriebene Anaphora gab H. G. 
Codrington, Anafhorae Syriacae I, 1, Rom 1939, heraus. In original- 
^syrischen Schriften nahm den Kampf fiir die monophys. Lehre der 485 
[zum B. von Mabbug-Hierapolis geweihte Philoxenos (Aksenaja) (§ 25. a) 
auf, der wie Severos 518 verbannt wurde, f 5 2 3- Seinen dogmatischen 
Standpunkt vertritt der auch als Stilist hochgeschatzte Verfasser in den 
[drei Biichern iiber die Trinitat (Ag. : A. A. Vaschalde, CSCO II, 27) ; 
Iron den zehn Abhandlungen dariiber, dass einer aus der Trinitat Fleisch 
angenommen und gelitten hat, sind die ersten beiden von M. Briere 
in PO 15, 4 veroffentlicht. Praktische Ziele verfolgen die dreizehn BB. 
Ermahnungen zur christlichen Lebensfiihrung (Ag. : Ernest Wallis 
pUDGE, The Discourses of Phil., London 1894). Aus seiner Korrespondenz 
sind einzelne Briefe veroffentlicht, zuletzt von J. Lebon in LM 43 
[(1930), S. 17-84 u. 149-220 und von Gunnar Olinder, A Letter of Phil, 
ftp a Novice, Hogskolas ^rsskrift 47, 21, Gotenburg 1941. Kaum echt ist 
Sein Brief an den arabischen Stratelates, Abu Nafir von al-HIra, zweifel- 
haft auch die ihm zugeschriebenen drei Anaphoren. 
■ Angeregt durch Philoxenos hat sein Chorbischof Polykarpos (§ 23. d) 
urn 505 eine Bibeliibersetzung aus dem Griechischen unternommen, von 
der nur wenige sicher dazu gehorende Reste erhalten sind; ob das von 



184 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 






DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



185 



G. H. Bernstein edierte Johannesevangelium und der syrische Text 
der Apk. und der vier kleineren Kath. Briefe dieser Ubersetzung ange- 
horen, ist sehr bestritten. 

Fur die Ausbreitung seiner Kirche im Perserreiche arbeitete der B. 
Simon von Bet Arscham (§ 23. e), f in Konstantinopel 548. Von ihm 
haben wir einen Brief iiber die himjaritischen Martyrer, woriiber noch 
der unvollstandig erhaltene Bericht, vielleicht von einem gleichzeitigen 
Sergios (Georgios) von Rusafa vorliegt (Ag.: Axel Moberg, The Book 
of the Himyarites, Lund 1924). Eine wertvolle Chronik fiir die Jahre 
495-507 hinterliess der im Kloster Zuqnin, spater in Edessa lebende 
Monch Ischo< (Josue), der Stylit (§ 23. f), iiber die „Bedrangnisse, die iiber 
Edessa, Amida und ganz Mesopotamien kamen", eine Schrift, die Ps.- 
Dionysios von Tell Mahre in sein Geschichtswerk aufnahm (letzte A 
von Jean Baptiste Chabot im Chronikon anonymon, CSCO III, i, 
S. 235-317). [Dann jetzt: N. Pigulevskaja, Mesopotamia na rubeze 
V-VI vv. n.e.Sirijskaja Chronika Jesu Stilita kakistori6eskij istocnik 
(Mesopotamilen und die A3rid des 5/6. Jhd. Die syrische Chronild 

des J als geschichtl. Quelle), Moskau und Leningrad 1940 Akad. 

Nauk SSSR. Inst, dlja Vostokovevenija XXXI. — B. Sp.]. 

Die Dichtkunst der syrischen Kirche hat in diesem Zeitabschnitt 
zahlreiche Vertreter gefunden, die in meist sehr umfangreichen Memre 
biblische und asketische Gegenstande behandelten. Zeitlich stehen an 
der Spitze die bereits oben erwahnten Personlichkeiten mit dem Namen 
Isaak, die schon zur Zeit Jakobs von Edessa nicht mehr auseinander 
gehalten wurden; den Versuch einer Ordnung und Neuausgabe hat ijffl 
11. Jh. Joh. bar Schuschan unternommen. Bei weiten werden diese 
iibertroffen an Zahl und Bedeutung durch die hinterlassenen Werke 
Jakobs von Sariig, f 521 *) (§ 24. c mit eingehender Aufzahlung der 
einzelnen Stucke). Ein grosser Teil (etwa 185) seiner meist im zwolf- 
silbigen Metrum verfassten Dichtungen liegt in der fiinfbandigen Ag. 
von Paul Bedjan vor, Paris-Leipzig 1905/10. Die interessanten Memra 
iiber dai Theater hat C. Moss in LM 48 (1935), S. 87-112 herausgegeben. 
Auch die poetischen Gattungen des Madrascha und der Sogita wurden- 
von ihm gepflegt; einige Kommunionlieder, drei Anaphoren und em 
Morgenhymnus werden ihm zugeschrieben. Seine 42 (43) Briefe wurden, 
von Gunnar Olinder, CSCO II, 45 veroffentlicht (vgl. G. Olinder,. 
The Letters of /. of S.L, Lunds Universitets Arsskrift, N.F. Avd. 1 3d. 
34, Nr. 8). ' 

1 [Vgl. jetzt Isaak Armala, Mar Ja'qub, usquf Sarug al-Mallafan,. DjouniyS, Lib., 1946, und- 
dazu Jac. van der Ploeg in der Bibl. Or. V, 1948, S. 153/6. — B. Sp.]. 



- 



Ein Zeitgenosse Jakobs, Simon der Topfer (Quqaja) (§24. d), Diakon 

eines Landortes, kann sicher als Verf. von neun Weihnachtsliedern 

angesehen werden, wenn auch spater fiir den besonderen Liedertypus 

[■der Quqajata in den liturgischen Choralbiichern andere Autoren ver- 

mutet werden miissen. 

Durch die Zeitumstande sahen sich syrische Kirchenfiirsten und 
'Schriftsteller vielfach veranlasst, zur Stutzung ihrer dogmatischen 
Position entsprechende griechische Schriften zu iibertragen. Als Uber- 
•setzer von Schriften des Severos werden genannt Paulos von Kallinikos 
:'[§ 25. a), von solchen des Kyrillos von Alexandrien: Moses von Aggel 
£§25. b). Fiir die jakobitischeSchultheologie erlangten die "Qbersetzungen 
■von Werken des Joh. Philoponos (§ 25. e) massgebliche Bedeutung, die 
1 seine trithetische Einstellung vergessen liessen. Seine syrisch erhaltenen 
jSchriften: AiatT7]TT^TCepi evwaeox;, Epitome daraus: ,,Solutiodubiorum", 
„Tractatus ad Sergium", ,,Tr. de differentia, numero ac divisione" 
Bind von A. Sanda, Opuscula monofihysitica, Beirut 1930 veroffentlicht 
worden (vgl. Th. Hermann, Joh. Phil, als Monophysit, [ZntW 29 (1930), 
209-264]). Von Ubersetzungen philosophischer Schriften wird ihm eine 
solche der Eiouywyy] des Porphyrios zugeschrieben. 

Abweichend von ^der orthodoxen wie von der monophysitischen 
iTheologie vertrat der aus Edessa stammende, in Agypten ausgebildete 
und schliesslich in einem Kloster Palastinas lebende Stephan bar Sudaile 
l"{§ 26. b) eine mystische Sonderlehre, die neben einer gewissen Verwandt- 
:$chaft mit den urn dieselbe Zeit (etwa 500/520) entstandenen Werken 
fdes Ps. -Dionysios Areopagita — ohne dass man von einer gegenseitigen 
tAbhangigkeit sprechen kann — die origenistische Apokatastasis, 
tLeugnung der Ewigkeit der Hollenstrafen und einen ausgesprochenen 
iPantheismus aufweist. Seine Lehre wurde in einem Briefe des Philoxenos 
[an die Presbyter Abraham und Orestes, sowie in einem solchen des Jakob 
pon Sartig bekampft (beide abgedruckt bei A. L. Frothingham Jr., 
'"Stephen b. S. the Syrian Mystic and the Book of Hierotheos, Leiden 1886, 
fcS. 28-48 u. 10-26). Der Patriarch Kyriakos (f 817) und der etwa gleich- 
feeitige B. Joh. von Dara, sowie der Patriarch Theodosios (f nach 825) 
p(§ 44. b) in seinem Kommentar gaben der Schrift den Titel: Buch des 
RHierotheos; doch muss die Kenntnis des wohl nicht einheitlich abge- 
Hassten Werkes spater selbst in Syrien fast verschwunden sein, da z.B. 
FBarhebraeus erst nach langem Suchen ein vollstandiges Exemplar aus- 
flindig machen konnte. Ag. : F. S. Marsh, The Book of the Holy Hierotheos, 
,-Text and Translation Society, London 1927; vgl. Irenaeus Hausherr 
P OC 30, 3 (1931), S. 34-69. 



i86 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



I 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



187 



Als Ubersetzer der Werke des Ps.-Dionysios Areopagita, verschiedener 
philosophischer Schriften des Aristoteles und medizinischer des Galenos 
(s Max Meyerhof, Lea Versions Syriaques et Arabes des ecrits Galdmques, 
[Byzantion 3 (1926), S. 33-51])- die auf diesem Wege den Arabern ver- 
mittelt wurden, hat der Priester und Arzt Sergios von Reschaina f 536 
(§a6.c) sich einen Namen gemacht. [Dazu N. Pigulevskaja, Sirijskij 
vrat Sergij ReSajnskij, im „Naucn., bjull. Len. gos. Univ." 1946, S. 
3 6 ff. _ B. Sp.] Aus seinem Kreise stammen wohl auch die Uber- 
tragungen von Schriften griechischer Popularphilosophie (§ 26. d) ; der 
Physiologos liegt in dreifacher Ubersetzung von verschiedenem Umfang 
vor (§ 26. e) (vgl. M. Wellmann, Der Physiologus, Leipzig 1930); auch 
das Buch der Landwirtschaft (Geoponica) wurde iibersetzt (§ 26. f), 
ebenso Schriften chemischen und metallurgischen Inhalts (§ 26. g). 

An kirchengeschichtlichen Werken sind zunachst zwei Urkunden- 
sammlungen (§ 27. c) iiber die Anfange des Monophysitismus im 6. Jht. 
beachtenswert, von denen das umfangreichere Korpus in CSCO II, 37 v or- 
Hegt (vgl Th. Hermann in ZNTW 27 (1928), S. 263-304; ™m geograph. 
Material Ernst Honigmann, Zfs 1, S. 15-33 und Enno Littmann, 
ebenda S. 163-195); die zweite Sammlung enthalt Stiicke aus den 
Jahren 535 bis zur Mitte des Jhts. Von den originalsyrischen Einzel- 
biographien (§ 28. a) habe die meisten legendaren Charakter, etwa mit 
Ausnahme der Vita des Joh. von Telia (Ag.: E. W. Brooks, CSCO III, 
25, S. 31/94). Dagegen ist kulturgeschichtlich wertvoll die ,,Geschichte 
der morgenlandischen Heiligen" des Joh. von Ephesus (oder v. Asien) 
t 586 (§ 28. b) (Ag.: E. W. Brooks, PO 17, 1; 18, 2; 19, 2). Der Verf. 
erfreute sich der Gunst K. Justinians, wirkte fur die Ausbreitung des 
Christentums in Kleinasien, wurde sogar mit der Inquisition heidnischer 
Konventikel in Konstantinopel beauftragt, von Justin II. aber als 
Monophysit verfolgt und eingekerkert. Erst in den letzten Lebenstagen 
verfasste er eine Kirchengeschichte in drei Teilen, von denen nur der 
letzte fur die Zeit von 575/586 erhalten ist; Ag.: E. W. Brooks, CSCO 
III, 3. Eine in dem sog. Liber Calipharum des 8. Jhts benutzte, haupt- 
sachlich Ereignisse des 6. Jh. in Antiochien behandelnde Chronik 1st 
unter den Chronica minora von E. W. Brooks-J. B. Chabot, CSCO III, 
4 S. 77-156 ediert. Der sog. Julianosroman (§ 28. d) hat auch auf dieJ 
arabisch-muhammedanische Geschichtsschreibung Einfluss gewonnen;: 
neuere Ubers. des ganzen von H. Gollancz, Julian the Apostat, Oxford 
1928. Zahlreiche Legendenstoffe wurden metrisch bearbeitet (§ 29 g), 
darunter ein Alexanderlied und ein Memra auf das Entschlafen der 
Gottesmutter; dazu treten noch viele Prosatexte (§ 29 h). Von Zachanas 



I 



.Rhetor (§ 28. e), der nach Eduard Schwartz, Kyrillos von Skythopolis, 
■S. 367 nicht mit dem B. von Mytilene gleichgesetzt werden darf, haben 
;wir die syrische Ubersetzung einer Biographie des Isaias von Skete 
:(Ag. : E. A. W. Budge, CSCO III, 25, S. 1-16), des Severos von Anti- 
.'ochien (Ag. : M. A. Kugener, PO 2, 1) ; die BB. 3-6 einer ihm zugeschrie- 
benen Kirchengeschichte sind Ubersetzungen des verlorenen griechischen 
Textes, die iibrigen der 12 BB. sind die Kompilation eines in Amida 
lebenden Monches; das Ganze von E. W. Brooks, CSCO III, 5-6 ediert. 
Joh. Ruphos, B. von Mamma, schrieb zwischen 512-18 -rcAYjpocpoptat,, 
eine Sammlung von Wundergeschichten zum Erweise der Gottlosigkeit 
der Chalkedonenser (§ 28. f); Ag. : Francois Nau, PO 8, 1. 

Unter dem Patriarchen Athanasios 594-630 (§ 29. a) entstanden im 

Ennatonkloster bei Alexandrien zwei Bibelubersetzungen, zunachst des 

, ATs nach der Hexapla, von der sicher nur die BB. 4 (2) Kg'e als Werk des 

-Paulos von Telia (§ 29. b) bezeugt sind; andere allerdings unvollstandig 

erhaltene Teile stammen von seinen Mitarbeitern. Eine Rezension des 

syrischen NTs fertigte mit Hilfe anderer Thomas von Harkel (§ 29. c) an; 

von dieser Harklensis haben besonders die harmonistischen Texte der 

Leidensevangelien eine praktische Bedeutung in der syrischen Liturgie 

'gewonnen; vielleicht entstammt ihr auch ein zweiter Text der Apk. 

Von dem Katenenkommentar eines unbekannten Jakobiten aus der 

lersten Halfte des 7. Jhs. (§ 29. f) haben sich grossere Teile zum AT, zu 

den Paulusbriefen und zu den Evangelien erhalten. 



IV. Von der islamischen Eroberung bis zur 
Jahrtausendwende 

pDas Vordringen des Islams traf gleichmassig die bisher unter sassanidi- 
Bchen Herrschaft stehende nestorianische wie die noch zum byzantini- 
ichen Reiche gehorende westsyrisch-jakobitische Kirche; in beiden 
[•Fallen brachte der Wechsel zunachst keine Einschrankung des literari- 
fechen Schaffens, wenn sich auch das Interesse in mancher Hinsicht 
|verschob und sich eher noch starker als vorher der geschicht- 
[lichen, kanonistischen und philologischen Seite zuwandte. Sprachlich 
Ibildete sich eine Verschiedenheit in der Vokalisation zwischen Ost- und 
tWestsyrisch heraus. Neben der noch weiter andauernden literarischen 
FVermittlerrolle der Syrer gegeniiber den Arabern beginnt. auch das 
perwandte Idiom der Eroberer seinen Einfluss auf syrischen Schriftsteller 
Kiuszuuben. Vgl. GCAL. Wie bisher liegt die schriftstellerische Produktion 



SEMITISTIK 



ARAMAISCH UND SYRISCH 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



in beiden Kirchen fast ausschliesslich in den Handen der Monche und 
Kirchenfiirsten. 

5. Die nestorianische Literatur. — Auf Seiten der Nestorianer ist be- 
sonders die Missionstatigkeit in Mittel- und Ostasien beachtenswert, 
deren wichtigstes Zeugnis die in Hsinanfu 781 errichtete und urn 1623 
wiedergefundene Stele ist, die, allerdings in chinesischer Sprache, eine 
Darstellung der christlichen Lehre enthalt, aber mit den syrischen 
Unterschriften von Klerikern versehen ist; (s. P. Y. Saeki, The Nestorian 
Documents and Relics in China, Tokyo 1937, wo auch eine Reihe anderer 
Funde, auch liturgischer Handschriften aus Peking, die wie die Turfan- 
funde wohl erst dem 12/13. Jh. angehoren, behandelt sind). 

Asketische und liturgische Werke aus dem Anf ang dieser Periode sind be- 
reits oben im Zusammenhange mit alteren Schriften dieser Art erwahnt. 
Entscheidungen in Fragen des Ehe- und Erbrechts liegen in syrischer 
t)bersetzung aus dem Persischen vor von dem Metropoliten Simeon von 
Rewardeschir (§ 32. a), der eine Zeitlang ein kirchenpolitischer Gegner 
des Patriarchen Ischo<j(h)ab III. war, und dem Inhaber des gleichen 
Metropolitansitzes, Ischo'bokt (§ 33. i), der in 6 BB liber Ehe-, Erb- und 
Obligationsrecht schrieb, die nach seinem Tode auf Veranlassung des 
Katholikos Timotheos I. ins Syrische iibersetzt wurden. Unter denv ; 
Katholikos Chnanischo< II. t 779 (§ 33- h) ist die unschatzbare Samm- 
lung der Synodalakten der Jahre 410 bis 775 (Synodicon Orientale) zum 
Abschluss gekommen. Dank der guten Beziehungen zu den Chalifen al- 
Mahdi und Harun ar-Raschid konnte sich der als Kirchenfiirst und 
Schriftsteller hervorragende Katholikos Timotheos I. 780-823 (§ 34. b) 
der Organisation des Christentums in Indien, Turkestan und China 
widmen und verschiedene Synoden im Interesse seiner Kirche abhaltenj 
Ob der Bericht iiber das Religionsgesprach mit al-Mahdi (Ag. : Alphonse 
Mingana in Wookbrooke Studies II, 1, Cambridge 1928), der Tatsache 
entspricht oder nur eine Fiktion ist, bleibt unsicher; er ist auch in ver-J 
schiedenen arabischen Bearbeitungen bekannt (vgl. GCAL II, S. 115-18). 
Von ihm ist auch, urn 804-5 geschrieben, ein Werk iiber kirchhche 
Rechtsentscheidungen und Erbteilung erhalten; von den Akten der: 
unter ihm 790 gehaltenen Synode ist der Text im Anhang IV des Syno- 
dicon Orientale veroffentlicht. Sehr wertvoll sind seine Briefe, etwa 200;. 
von denen bisher nur etwa die Halfte ediert ist: 0. Braun, CSCO II, 67. 
Theodores bar Koni (Konai) (§ 34- e), in dem 791/2 vollendeten 9. B. 
als Lehrer aus Kaschkar bezeichnet, ist der Verf. eines 11 BB. umfassen- 
den „Scholienbuches", das in bunter Menge exegetische, logische und: 
spekulativ-theologische Fragen behandelt; besonders wertvoll ist das 



189 



,L 



11. B. iiber haretische Lehrmeinungen, einschliesslich des chaldaischen, 

griechischen und persischen Heidentums; (Ag. des syrischen Textes von 

fADDAi Scher, CSCO II, 65 u. 66; vgl. Giuseppe Furlani, La Philosofihia 

fid Libro degli Scoli, [in Giornale delta Soc. Asiat. Italiana, N.S. I, S. 

L50-296]; wegen seines Inhalts wurde das n. B. von Vertretern der 

IReligionsgeschichte haufig herangezogen, vgl. Hans Heinrich Schaeder, 

Ein Lied von Mani [OLZ 1926, S. 104] und Bardesanes von Edessa, 

[Ztschr. f. Kirchengesch. 1932, S. 21-74] i e i n Bericht iiber manichaische 

Kosmogonie, deutsch in Richard Reitzenstein u. Hans Heinrich 

Schaeder, Studien zum antiken Synkretismus, Leipzig 1926. E. Benve- 

Cviste, Le temoignage de Th. b. K. sur le zoroastisme, [Monde oriental 

26/27, S. 170-215]. Teilweise abhangig von Th. b. K. ist Michael Badoqa 

iT§ 20. h) , den Giuseppe Furlani, II libro delle definizioni di Michele 

J' Inter fir ete, [RAL, Ser. VI Fasc. 1 (1926)] mit Bazud gleichsetzt. Von 

dem Nachfolger des Katholikos Timotheos I, Ischo'bar Nun f 828 

F(§ 34. f) ist neben liturgischen Werken seine Sammlung von Kanones 

hand Gesetzen zu erwahnen. 

: Thomas von Marga (§ 37. b), Monch des Klosters Bet Abe, um 850 
Bischof von Bet Garmai, hat unter dem Titel „Buch der Klosteroberen" 
hgine hochst anschauliche, wenn auch etwas kritiklose Geschichte seines 
Klosters, dabei auch zuriickgreifend auf die friihere Entwicklung 
des Monchtums in Mesopotamien hinterlassen. Von ihm noch nicht 
[erwahnt ist die Legende von dem angeblichen Griinder des Klosterlebens 
daselbst, Mar(j) Augen (Eugen) (§ 37. g), die bereits in dem etwa gleich- 
zeitigen ,,Buche der Keuschheit" des Ischo ( denach von Basra (§ 37. g), 
einer Sammlung kurzer Monchsbiographien, an die Spitze gestellt ist; 
trotz des legendaren Charakters bietet das Biichlein mancherlei Beitrage 
^ur kirchlichen Geographie Mesopotamiens. Der Monchsliteratur schon 
des 10. Jh.s gehoren verschiedene metrische und prosaische Schriften 
des Johannes bar Kaldun (§ 38. f) an. 

I ' Ischo'dad von Merw, Bischof von Chdata (§ 37. d), verdient als Exeget 

Desondere Erwahnung; er schrieb in der 2. Halfte des 9. Jh.s umfang- 

reiche Kommentare zum A u. NT, die viel alteres Gut gerettet haben 

■ und auch von den Jakobiten benutzt wurden (Ag. : der ntl. Kommentare 

.von M. D. Gibson, Cambridge 1911/13, zum Hohenliede von Sebastian 

IEuringer in OC, dritte Serie, 7 (1932), S. 49-74). Die ,,Erklarung des 

kirchlichen Dienstes", ein trotz des vorwiegend symbolischen Charakters 

fur die Geschichte des nestorianischen Ritus wertvoller Kommentar, 

wird dem Metropoliten Georg von Arbela und Mossul, f nach 987, 

(§ 38. c) zugeschrieben, wenn auch seine Autorschaft von einzelnen 




Ig0 SEM1TISTIK — ARAMAISCH UND SYEISCH 

Forschern angezweifelt wild; ferner wird er als Verfasser liturgischer 1 
Texte und eines Kompendiums des Erbrechtes genannt. Eine minut.ose , 
Kasuistik zur Losing von Fragen uber die enchanstische Litog^e, dle 
nach dem Herausgeber wahrscheinlich vom Kath. Ischo j(h)ab IV. um I 
xoio zusammengestellt wurde, hat Willem Coenelis van Un NIK , | 
Nestorian Questions on the administration of the Euchanst Haarlem 1937 1 
verdifentlicht. Als Dichter betatigten sich Ende des 10. Jh.s Ehas, Bischoi 
von Anbar (§ 38. a), u.a. in einem 40000 Verse umfassenden Lehrged.cht, 
Z Emmanuel bar Schahhare (§ 38. b) in einem Gedicht uber das | 
Sechstagewerk. Der grosste Ted der hterarisehen Tatigkeit des Hunam 
ibn Ishlq and seiner Sehnle (§ 36. b. c) gehort der arabrschen Gelehr- 
samkeit an (s. GCALll.S. i**-W) l jedoch liegen von ihm auc ■ synsche 
Ubersetzungen philosophischer und ,medizimscher Traktate vo (vgl. 
Gotthelf Bergstrassee, B. ibn Is. uber syr. u. arab. Gaknubersetzungen 
tAbh z. K. d. Morgenl. 17, 2]: Max Meyerhof, New light on B. tbn Is., 
Brussel 1926. Ein Job „der Gescheckte" von Edessa verfasste um 817 
in Bagdad ein „Bueh der Schatze", eine Enzyklopadie philosoph. und 
naturwissenschaftl. Kenntnisse; Ag, Alphonse Mingana Book of 
treasures, Cambridge x 93S . Zu E. A. W BopGE, Synan Anao^ 
Pathology and Therapeutics or „The Book of Medtcme Ld. 1913, vgl. 
ietot Schleieer, Zum syr. Medizinbueh [ZfS IV (1926) S^ 70-122, 
V S. 195-237. VI, S. 154-17^. 273-99J Die Lexikographie forde rten » 
Werken die auch von Jakobiten und Maroniten benutzt wurden.de 
be den Arzte (§ 38. i) Ischo'bar <Ali und Abu 1-Hasan bar Bahlul; 
Ausgaben warden r 9 z8 bzw. 1940 abgeschlossen , berde Antoren bieten 
hauptsachlich erklarende Glossen zu selteneren *«»■ 

6 Die jakoUtische Literatur. - Zur Zeit der arabischen Eioterang 
war Johannes I. (nach jakobitischen Zahlung Joh. II.) von 630/48 
Patriarch der syrischen Monophysiten (§ 39- a); von Ami ibn al- Ass 
wurde er aufgefordert, erne arabische Obersetzung der Evange hen ^vor- 
zulegen, und 639 soil er ein Religionsgesprach mit diesem gehabt hab«« 
( S Francois Nau, Un collogue du P. Jean avec I mmr tefg«™>. 
Journ. Asiat. X. Sen. V. [ I9 i5], S. zz 5 -79; Henr* Lammens ,Un coUoj4 
1 P. Jean I. et 'Antrou ibn a^As, Etudes sur le Steele des Ornayy^ 
Beirut 1930). Seine Hauptbedentung liegt jedoch auf dem G brete .M 
liturgischen Schriftstellerei ; er hat als erster die dem westsynsch n 
Ritus eigentiimlichen Sedre (Gebetsreihen) verfasst. was ihm den BJ 
namen .Johannes von den Sedre" eintrug; ferner stammen von Am 
Formulare fur die Myron- und Wasserweihe und eine Anaphora (Ag 
H Fuchs in Liturgiegeschichtl. Qudlen, 9, Minister 1926). Im Osten g 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



191 



warm unter B. Maruta von Tagrit, 628/49 (§ 39- b) der Monophysitismus 
dank der Begunstigung durch den persischen Hofarzt Gabriel starkeren 
^uwachs; M. war der erste der sog. Mafriane, die an der Spitze der 
dortigen Hierarchie standen. lhm werden auch liturgische Texte zuge- 
schrieben, darunter eine Anaphora; wertvoll ist die Biographie, die ihm 
sein Nachfolger Dencha f 660 widmete. Vornehmlich auf dem Gebiete 
profaner Wissenschaft war Severos Sebokt, Bischof von Qenneschre, 
j 666/7 (§39- d) tatig; er iibersetzte aus dem Persischen einen 
Kommentar zu Aristoteles -rzzpi ep^zvdccq und verfasste eine Abhandlung 
fiber die Syllogismen der 'AvaAimxa 7tpoT£pa ; er ist ferner der klassische 
Vertreter astronomischen Wissens bei den Syrern, schrieb liber Mond- 
finsternisse, Mondphasen, uber Sternbilder, Kosmographie und uber 
das Astrolab. 

An Vielseitigkeit des Wissens und kritischer Begabung steht ohne 
ZXveifel an der Spitze der gelehrten Vertreter dieser Periode Jakob von 
Edessa (§ 40. a-h). Er studierte in Antiochien, im Kloster Qenneschre 
(als Schiller des Severos Sebokt) und in Alexandrien; wurde 684 B. von 
Edessa, resignierte nach 4 Jahren, zog sich in das Jakobuskloster in 
Kaisum zuriick, lehrte 11 Jahre im Eusebonakloster bei Antiochien, 
von wo er, im Unfrieden mit den widerspenstigen Monchen, nach. dem 
Kloster Tell'adda ging, um schliesslich wieder Besitz von seinem 
Bischofsstuhl in Edessa zu nehmen; nach 4 Monaten starb er in Tell'adda, 
mpn wo er seine Bucher nachholen wollte, am 5. 6. 708. Seine exegetischen 
Arbeiten umfassen u.a. eine um 705 vollendete Textrevision des ATs, 
wofiir er eine Kapiteleinteilung schuf, und die er mit Anmerkungen, 
Varianten und Aussprachebezeichnung einzelner Worte versah. Viel 
exegetisches Material hat er in seinen Briefen niedergelegt, das in der 
umfangreichen Katene des Severos im 9. Jh. (s.u.) teilweise erhalten ist. 
Die zahlreichen Briefe, soweit sie uns der Zufall gerettet hat, befassen 
sich mit Hterarisehen, liturgischen, kanonistischen und orthographischen 
Problemen. Als Ubersetzer wurde er bereits fur die 'Oy^Atou E7U0p6vioi 
des Severos von Antiochien genannt, auch die Akten der Synode von 
Karthago (256), das nur syrisch erhaltene Testamentum Domini Nostri 
I Jesu Christi und der sog. Klementinische Oktateuch sind von ihm 
iibertragen; eine Glanzleistung seiner philologischen Akribie ist die 
ebenfalls schon oben erwahnte Neurezension der "Obersetzung des 
Kirchengesangbuchs des Severos ; eine solche der Jakobosanaphora nach 
dem Griechischen (Ag. : Ad. Rucker in Liturgiegesch. Quellen 4, Miinster 
I 9 2 3) ; ein Formular der Wasserweihe an Epiphanie, eines Tauf- und 
Trauungsrituals tragen seinen Namen; auch eine Neuordnung des Ferial- 



JQ2 SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 

breviers wird ihm zugeschrieben. Von dem Originaltext seiner Chronik, 
die auf das spatere Werk Michaels des Gr. Einfhiss ausiibte, sind Reste 
der Einleitung und des 2. Teiles erhalten (Ag.: E. W. Brooks, CSCO 
III 4 [Chronica minora], S. 261-327 [197-255]) ■ Seine Grammatik unter 
dem Titel eines „Buches der Korrektheit der Sprache", in dem er ver- 
suchte die Vokalzeichen mit den Konsonanten zu verbinden, 1st nur 
fragmentarisch erhalten; den Gebrauch der diakritischen Punkte fur 
die Unterscheidung grammatikalischer Formen behandelt er m einem 
Traktat in 5 Kapiteln. Im 'E r/ stp^ov will er die Begnffe: Wesen, 
Hypostase, Natur usw. auf klaren ; italienische Ubersetzung von Gius. 
Furlani, II manualetto di Giacomo, [in Studi e maieriah di Stona delta 
yeligione'l (1925) S. 262-82] und: Di alcuni passi delta metafisica di 
Aristotele presso Giac., [RAL, Ser. V, Vol. XXX (1922), S. .268-73]. Im 
Hexaemeron hat er als erster in syrischer Sprache den Versuch gemacht, 
eine Erlauterung des biblischen Schopfungberichtes zu hefern (Ag.: 
Jean Baptiste Chabot u. A. Vaschalde, CSCO II, 50). Als Dichter 
hat er einige philosophische und theologische Themata behandelt. Em 
anderer Schuler des Severos Sebokt war Athanasios II, Balad, Patriarch 
von 681-86 (§ 44. b), der Einleitungsschriften in die aristotehsche Logik, 
Briefe des Severos, von denen das 6. Buch erhalten ist, iibersetzte, und 
eine Neurezension der Homilien Gregors von Nazianz vornahm. 

Georg Bischof christlicher Araberstamme, mit dem Sitz m Aqula, 
f 724 (§' 41 c) der das Hexaemeron des Jakob von Edessa vollendete, 
beschaftigte sich hauptsachlich mit der Ubersetzung aristotehscher 
Schriften (vgl. Gius. Furlani: La Versione ed il Commento d% G. delle 
nazioni all' Organo aristotelico [Studi italiani di Filologia Classica, N.S. 
Ill IV (1932)]- Le Categorie e gli Ermeneutici di Aristotele nella versione 
siriaca di G., [RAC, Ser. VI, Vol. V, 1 e 3 (i933)]und: II secondo hbro 
dei Primi analitici di Aristotele nella versione siriaca diG. delle Naziom 
[RAL, Memorie 6, VI, S. 233-87]- In Briefen behandelte er auch astrono- 
mische, exegetische, literarische und liturgische Fragen; sein kurzer 
Liturgiekommentar wurde von R. H. Connolly-H. W. Codrington: 
Two Commentaries of the Jacobite Liturgy, Text and Translation Society, 
London 1913, herausgegeben. Dem Freundeskreise urn Jakob von 
Edessa gehorte auch der Stylit Johannes von Litarba (§41- d) an, dem 
eine Grammatik zugeschrieben wird. 

Die westsyrische Masora, die besonders im Qarqafta-(Schadel-)kloster 
eine Pfegestatte fand (§ 41. h), h at neben biblischen auch patnstiscne 
Texte in den Kreis ihrer Arbeiten einbezogen; in diesem Zusammenhang 
ist auch die syrische Ubersetzung von Epiphanios: Ilepl [x^pcov xSJ 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



193 






J 



<n:a6(xaW zu erwahnen (Ag.: J. E. Dean, Chicago 1935). t)bertragungen 
griechischer Predigtliteratur (§ 42. b) sind vorwiegend zur praktischen 
k Benutzung in den Homiliaren aufgenommen, die zahlreiche Texte 
erhalten haben. Die kanonistische Literatur (§ 42. c) wurde von den 
Obersetzern mit Vorliebe gepflegt, darunter ist der vollstandige Text 
der Didaskalia zu erwahnen. Das gleiche gilt von der umiangreichen 
hagiographischen Literatur (§ 42. d). Auf liturgischen Gebiete sind 
Ausgaben bzw. Neurezensionen entstanden (§ 42. e) : Die Anaphoren 
des Timotheos (Ag. : Ad. RiiCKER in Anaphorae Syriacae I, 1, [Rom 
I939)]j des Gregor von Nazianz (Ag. : Ir. Hausherr, ebenda I, 2 [1940]), 
des Joh. Chrysostomos (Ag. : H. G. Codrington, ebenda), der XII 
Apostel (Ag. : Alf. Raes, ebenda), ferner des Kyrillos von Jerusalem (?), 
Klemens von Rom, Ignatios von Antiochien, Dionysios Areopagita, 
Eustathios von Antiochien, Joh. von Bostra, der Papste Julius und 
Coelestinus. An liturgischen Gesangsstiicken treten neben die syrischen 
*Enjane (Responsorien) (§ 39. a) (s. Odilo Heiming, Syr. ^Enjane und 
griech. Kanones, Liturgiegesch. Quellen und Forschungen 26, Miinster 
1932), die etwas jtingeren griechischen Kanones (§ 42. f). Um 785 fiihrte 
ein fur liturgische Neuerungen interessierter Monch David bar Paulos 
(§ 43. g) von ihm verfasste Gesangstexte fur das Nachtoffizium ein ; 
ausserdem werden von ihm grammatische, philosophische und exege- 
tische Traktate iiberliefert. Lazarus (Philoxenos) bar Sabta, B. von 
Bagdad, 829 abgesetzt, (§ 44. g), schrieb liber liturgische Fragen und 
hinterliess auch eine Anaphora. 

Trotz andauernder ausserer und innerer Schwierigkeiten haben sich 
die Patriarchen Georg von Be'eltan, 758/90 (§ 43. c) und Kyriakos, 
793/817 (§ 43. d) vielfach literarisch betatigt. Ersterer wurde infolge der 
tJmtriebe seiner Gegner 9 Jahre gefangen gehalten und erst durch den 
Chalifen al-Mahdi 775 in Freiheit gesetzt. Wahrend seiner Gefangen- 
schaft hat er Memre und , Madrasche verf asst und gegen Ende seines 
Lebens in einem Briefe an einen Diakon Gurjo Stellung genommen zu 
der damals die syrische Kirche in lange und schwere Streitigkeiten 
verwickelnde Frage des Gebrauches der liturgischen Brechungsf ormel : 
„Das Brot des Himmels brechen wir". Sein Nachfolger Kyriakos wollte 
auf einer Synode in Bet Botin 795, deren Akten neben damit zusammen- 
hangenden Briefen erhalten sind, diese Differenz beseitigen, aber ohne 
Erfolg, sie fiihrte sogar zur Wahl eines Gegenpatriarchen und zu Anklagen 
beim Chalifen. Sein en Bemuhungen um eine Union mit den j ulianistischen 
Armeniern war auch keine Dauer beschieden (s. R. Draguet: Le 
facte d'union de jgy [LM 54 (1941), s. 91-106)]. Eine Sammlung seiner 



194 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCP1 



theologischen Abhandlungen ist nur teilweise erhalten. Der Monch 
(Rhetor gen.) Antonios von Tagrit (§ 44. h) ist der Verfasser eines Werkes 
iiber Rhetorik in 5 BB und iiber die Vorsehung in 4 BB, ferner iiber 
verschiedene theologische und liturgische Fragen, (vgl. Ad. Rucker; 
Das fiinfte Buch der Rhetorik des A.v.T., [Or. Chr. V. (1934), S. 13-22]). 

Von kirchengeschichtlichen Arbeiten ist die anonyme Chronik (bis 
zum Jahre 846) eines Monches von Qartamin zu nennen (§ 43. i) (Ag. ; 
E. W. Brooks u. J.-B. Chabot, CSCO III, 4 [Chronica minora] S. 157-228 
[121-180]). Aus dem Kloster Zuqnin ging eine Chronik hervor, die 
irrtiimlicherweise von Assemani dem Dionysios von Tell Mahre (^= P s _ 
Dionysios) zugeschrieben wurde, eine Kompilation von Stucken ver- 
schiedener Herkimft in 4 Teilen; durch den 3. Teil ist die Chronik des 
Josua Stylites erhalten, erst der 4. Teil von 573/754 ist selbstandige 
Arbeit des Verfassers (Ag. : J.-B. Chabot, CSCO III, 1 u. 2). Dionysios 
von Tell Mahre, Patriarch von 818/845 (§ 44. a), hat fur die Jahre 582/842 
ein hervorragendes Geschichtswerke in 16 BB. geschrieben, das leider 
bis auf ein Fragment (Ag. : E. W. Brooks, CSCO III, 6, S. 217-24 
[148-54]) nur in den von Michael d. Grossen und der anonymen Chronik 
von 1234 ausgeschriebenen Partien erkennbar wird (vgl. Rudolf 
Abramowski in den Abhandlungen zur Kunde des Morgenlandes 25, 2, 
Leipzig 1940). Von seinem Bruder Theodosios, Metropolit von Edessa 
(§ 44. b), stammt eine Ubersetzung der iambischen Gedichte Gregors 
von Nazianz, mit den sich auch Benjamin von Edessa (§ 44. c) be- 
schaftigte. Das Geschichtswerk des Dionysios von T.M. ist dem Metrop. 
Johannes von Dara (§ 44. e) gewidmet, der Spezialarbeiten iiber dogma- 
tische Fragen hinterliess, Kommentare zu den Schriften des Ps. -Dionysios 
Areopagita verfasste und Traktate iiber die Seele, Auferstehung des 
Leibes und das Priestertum (vgl. Gius. Furlani : La psichologia di Giov. 
di Dara, [RStOr n (1923), S. 254-79]). 

Im Jahre 861 vollendete ein Monch Severos (§ 44. j) einen Scholien- 
kommentarzum A. u. NT, der uns verschiedenes Material aus Afrem, 
Jakob von Edessa u.a. erhalten hat; schon in der altesten Hs. etwa v. 
J. 900 ist diese Catena Patrum urn weitere Stiicke vermehrt worden. 
Um die gleiche Zeit schrieb Romanos, Monch und Arzt im Kloster 
Qartamin, von 887-89 als Patriarch Theodosios (§ 45. a), eine Erklarung 
pythagoraischer Sinnspriiche und einen Kommentar zum Buche 
Hierotheos des Stephan bar Sudaile (in Ausziigen mitgeteilt in der Ag. 
von F. S. Marsh). 

Dem Ende des 9. Jh.s gehort die umfangreiche und vielseitige schrift- 
stellerische Tatigkeit des Moses bar Kepha f 9°3 (§ 45- c) an, der unter 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR I95 

dem Namen Severos Bischof von Mossul war. Seine exegetischen Arbeiten 
erstrecken sich auf fast alle BB. des A u. NTs, smd aber nur teilweise in 
Fragmenten und m arabischer Ubersetzung erhalten: vom Gen - und 
Psalmenkomm., zum NT Teile eines Komm. zu Matth.-Ev., zum Romerbr 
zu 1 u 2 Kor. und Gal. ; die Ka PP . 2442 - 28,20 des Matth.-komm. auch 
J m arabischer Ubersetzung (s. Georg Graf, Biblica 21 (1940) S 28.-7) • 
t in seiner Exegese ist er stark von Jakob von Edessa abhangig. Dem 
Gebiete der spekulativen Theologie gehoren an: 4 BB. iiber die Willens- 
freiheit, 3 BB. iiber das Paradies, ein B. iiber die Seele, em B. iiber die 
himmlische Hierarchie und ein unvollendet gebliebenes Werk iiber das 
Hexaemeron (vgl J Bakos: Die Zoologie aus dem Hexaemeron des 
J Moses b.K.[Archiv Onentdlni II, S. 327-61, 460-91]). Der Liturgie 

?Ae lZlc7c^?i V ° n FeSttraktaten ' Erklarungen zum Taufritus 
(Ag Ludwig (Odo) Haggenmuller, Phil. Dissertation, Wien 104.) 
zur Myronweihe, Ordination, Monchsweihe, Kirchenweihe und zur 
Euchanstie [Ag, R. H . Connolly- H. W. Codrxngton: Two commen- 
taries on the Jacobite Liturgy, London 1913, S. 16-86 (24-90)] • auch 2 
Anaphoren werden ihm zugeschrieben. 

Im 10. Jht. entstanden im Syrerkloster der sketischen Wiiste Ober- 
se zungen christlich-arabischer Texte (§ 45. e); islamischen Einfluss ver- 
raten (§ 45 f) erne Hollenvision, eine Ubertragung von Kalilag und 
Dimnag und eine Bearbeitung der Bahiralegende ; vgl. A. Abel: U Apo- 
calypse deBahira [Melanges Capart, Annuaire de 1'Institut de Philologie 
I d Histoire orientales III, Briissel 1935, S. 1-17]. 



V. Die Literatur des zweiten Jahrtausends 

In beiden Kirchen kann man von einer gewissen Renaissance der 
Literatur sprechen; charakteristisch ist eine Durchsetzung mit griechi- 

au fuhrlifh T, nan r r n ; fdr . die , letzte - Literaturgattung ist hier auf die 
ausfuhrhche Darstellung m GCAL II zu verweisen. Die mon^olische 
^roberung (s. Bertold Spuler, Geschichte der islamischen Lander II • 
' z Un ^7°d r, Le f n I953 ' " d6m VOTlie ^ d - Handbuch) schien 

\ ST f% i :hl i 1StentUm Vor ^ eile zu bri ngen, bis die Horden 
KXr T t dl ! H Turken die Snellen und geistigen Grundlagen dieser 

da^Schwf * g VemiChteten - Eine bescheidene Nachbliite brachte 
aas bchnftum der umerten Kirchen. 

7- Die nestorianische Literatur. - Der Katholikos Elias I. f 1028 



I96 SEMITISTIK -- ARAMAISCH UND SYRISCH 

It A 6 a) vorher B. von Tirhan, hat eine Grammatik nach der Methode 
aratecher Vorbilder verfasst, ausserdem eine Anzahl bturgrscher Tex e 
Cd en Bearbeitung des Eherechtes sowie erne Sammlnng abend- 
Sfdis h r und nrorgenlandischer Synoden. Ein ™J^£^ 
Kompendium „Beweis der Wahrheit des Glaubens -rfj- Ka*h_ 
Elias II mi/32 oder Elias v. Nisibis zugeschneben Elias bar Scnmaja 
fnten 1049 Metropolit von Nisibis (§ 49- c), schneb m synschen und 
i r r b Tscben Parallelkolnmnen eine Chronographie mit Quellenangaben, 
£1 Teilein Lebrbneb der ^u^^^ 
a rabische Grammatik und ein ™^^™ " *t* 
seheidungen wnrden spater von AbcbsAo bar kanonistische " 

zu seinem Naehlasse gehoren ferner ^^ Hffi 

Tnhalts und liturgische Texte. Von ctem jvaui. ^i \ ; 

t So (§ 46 e) stammt die naoh ihm benannte Sammlung (Abu-Halnn- 
Lch) e nes besonderen, spater noeh erweiterten Typus von Gebet n 
tfucnj ernes, ura r -n TKTTRICir Des nestonamschen Pair. 

zum Morgenofficium; vergl. G Diettrich. ^ 

Ete I/I. Gebete, Leipzig i 93 i; dasu OrChr 28 ^J^f^^ 
Die nestorianische Kirchendichtung hat in dieser Penode ^ viel Ftl ge 
r 1 a- <n™+* im <debensilbigen Versmass, der iurgama, erne 
gefunden: die Omta mi siebensiiDig Evangelmm, 

Art poetischer Predigt zum Vortrage nMh /-P lstei U ^ h -^ ^ 
und die Soglta, meist in Sammlungen fur das gan « ^^^ 

„gende ^° ^ 49- ft 

(Wardabuch , t Mltte des x 3- J n - S ^ ? y '' _ , K c . r N ffenann t Der 
Us bar Qardabe «^ ^ " ^ c li fb iTebrged^ 
Monch Tohannes von Mossul, t I2 7° VS 49- "; * if«llplH-inn 

z :■ r r b^r^Jen d es fP - : = 

Einen Kommentar zu den Penkopen des A u. NTs, unter oe 
^nat-s^^ 
toH nit " t" Brucl.tilcken «*« ^SJ 

Uteratur dar (vgl J.* V*x* ■^'^S^vK* (SS 
3 86- 4I9 und Angebeum fi^WlA 35/38)- ^° Biene „ eine Darste lk«B 
Anfang des 13. Jh.s, gab in dem Buche , der » lene Nfeibis 

der Heilsgeschichte. Der Metrop. Ischo<j(h)ab bar Malkon v 

ialschlich zugeschnebene „Buch der yater V 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



197 



i 



J. M. Voste in Codijicazione canonica orientate, Fonti, ser. II, 16, [1940]) 
>und eine Petrusapokalypse iiber das Fermentum der Eucharistie und 
der Taufe auf ihn zuriick. 

Sein Schiiler war der Monch Johannes bar Zo'b! (§ 50. e), dessen 
grosse Prosagrammatik einen zusammenf assenden Abschluss der bisheri- 
gen Arbeiten auf diesem Gebiete darstellt; in metrischer Form schrieb 
er eine kleinere Grammatik und eine Darlegung der nestorianischen 
Glaubenslehre mit dem Titel ,,Wohlgefugtes Gewebe" (herausgegeben 
von Jos. Kelaita im Anhange zum Bucke der Perle, Mossul 1924), eine 
Erklarung aller gottlichen Geheimnisse (s. Wilh. de Vries, in OLP 9 
[1943], S. 188-203) ; iiber verschiedene grammatische Fragen, iiber 
philosophische und theologische Termini (s. Gius. Furlani, J.b.Z. sulle 
differenze tra natura, ipostasi, persona e faccia [RStOr, 12 (1929), S. 

,272-93]). 

Von den zahlreichen Schriften des 'Abdischo 4 bar Berika, 1290/1318 
Metropolit von Nisibis (Soba) (§ 52. e), sind syrische erhalten: unter 
dem Namen eines ,,Buches der Perle" eine Darstellung des nestoriani- 
schen Glaubens (letzte Ag. von Jos. Kelaita, Mosul 1928) ; das Kirchen- 
recht behandelte er zuerst in einer ,, Sammlung synodaler Kanones", 
idann 1315 in dem erst in neuerer Zeit wieder aufgefundenen ,, Buche 
der kirchlichen Rechtsordnung und Gesetze" (lat. Ubersetzung von 
■f.-M. Voste, Codijicazione canonica orientate, Fonti, Ser. II. Fasc. 15, 
Rom 1940) ; nach dem Vorbilde arabischer Maqamen dichtete er sein 
fcEden-Paradies" (letzte Ag. von Jos. Kelaita, Mosul 1924 mit Er- 
lautemngen) und ein Glaubenssymbol. Wertvoll ist der im zwolfsilbigen 
Metrum abgefasste Schriftstellerkatalog (letzte Ag. von Jos. Kelaita 
im Anhange zum Buche der Perle). 

m Als ein Dokument ganz besonderer Art kann man die urspriinglich 
persisch abgefasste, aber in syrischer Ubersetzung erhaltene Biographie 
'des Katholikos J(h)aballaha III., 1282-1317 (§ 52. g) bezeichnen. Ein 
uigurischer Monch aus einem Kloster in der Nahe von Peking war mit 
keinem Lehrer Barsauma, auf einer Palastinawallfahrt nach Bagdad ge- 
fkommen; hier wurde er, wohl wegen seiner Stammesverwandtschaft mit 
jier damals herrschenden Klasse, zum Katholikos gewahlt. Barsauma 
fvvurde vom Chan Argun als Gesandter nach dem Abendlande geschickt, 
|.wo er sich in Rom auf der Hin-u. Riickreise aufhielt und in Frankreich 
horn franzosischen und englischen Konige empfangen wurde ; die hochst 
linteressanten Reiseerlebnisse sind vollstandig zuletzt englisch von 
E. A. Wallis Budge, The Monks of Kublai Khan, London 1928, iiber- 
[Setzt worden. Sein Nachfolger in der Katholikatswiirde war Timotheos 

Handbuch der Orientalistik III 



13 



ig8 



SEMITISTIK 



ARAMAISCH UND SYRISCH 



II 1318/32 (§52. f), der einen bedeutsamen Liturgiekommentar „Die 
sieben Griinde der kirchlichen Geheimnisse" schrieb (vergl. Wilh. de 
Vries in OCP 8 [1942], S. 40-94). 

Die Dichtkunst, bes. die <Oniatadichtung, fand auch in dieser Ver- 
fallszeit noch mehrere Vertreter: es werden genannt Isch6<j(h)abbar 
Meqaddem in der ersten Halfte des 15. Jh.s (§ 54- a), em Anonymus 
mit einer <Onita auf die Katholikoi des Ostens (§ 54- c), Isaak Asko 
(§ 54 b) Sargis von Aserbeidschan, 15/16. Jh. (§ 54- c), verfasste ein 
Gedicht auf Rabban Hormizd, 'Oniata verschiedenen Inhalts der Pr. 
Sehiba (§ 54. d), Attaja bar Ateli (§ 54- e) und der umerte Patriarch 
<Abdisch6< t 1570 (§ 54- g). In der Schule von Alqdsch wurde die htur- 
gische Dichtung auch noch weiterhin gepflegt. 

8 Die jakobitische Literatur. — Ein besonderes Interesse fur literar- 
geschichtliche Fragen bewies der Patriarch Johannes X., Ischo< bar 
Schuschan, | 1072 (§ 47- d), auch als Kalligraph angesehen, insofern 
er sich bemiihte, eine kritische Ausgabe von Werken Afrems und des 
Antiocheners Isaak herzustellen ; auch eine Anaphora unter semem 
Namen ist in mehreren Handschriften erhalten. Der Metropolit Ignatios 
von Melitene, | 1104 (§ 47- c), der drei Jahre in byzantinischer Gefangen- 
schaft zubringen musste, hat eine kurze Geschichte des ostromischen 
Reiches und der jakobitischen Kirche geschrieben, aus der Michael d. 
Gr die Vorrede und die sich auf die Verfolgungen durch die Gnechen 
beziehenden Stiicke ausgeschrieben hat. Basileios Abu>l-Faradsch bar 
Schummana, | 1169 (§ 47- *)■ musste als Metropolit von Edessa schwere 
Heimsuchungen durch Kreuzfahrer und Tiirken durchkosten; durch 
Almosensammlungen in den Nachbargebieten suchte er der Not seiner 
Landsleute zu steuern. Er hat eine Geschichte der Stadt Edessa, die von 
Michael d Gr. und dem Chronikon von 1234 benutzt wurde, verfasst. 
Der B. Johannes von Mardin, | 1165 (§ 47- g), hat sich durch Kirchen- 
renovationen, Herstellung von liturg. Geraten u.a. ein hohes Verdienst 
erworben In der Darstellung der beiden Eroberungen Edessas 1144 und 
1146 vertritt er den Standpunkt, dass alles auf natiirliche Ursachen, 
nicht auf den Einfluss der gottlichen Vorsehung zuriickzufuhren sei. 

Einen ersten Hohepunkt hat das literarische Schaffen im 12. Jh. in 
den Arbeiten des Dionysios bar Salibi und des Patr. Michad d. Gr. 
erreicht. Dionysios (Jakob) bar Salibi f "7i (§ 48- a), nach emander 
B von Mar'asch, Mabbog und Amida, war auf verschiedenen wissen- 
schaftlichen Gebieten tatig; ein Verzeichnis seiner Schriften gibt Michael 
in seiner Chronik S. 699, daneben existiert noch ein besonderer Katalog, 
den H Labourt, CSCO II, 93, S. 1-2, mitteilt. Als Exeget hat er sich 






DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



199 



unter Benutzung der Werke Ischo'dads von Merw mit der ganzen Bibel 

lieschaitigt ; fur das AT giebt er je einen pragmatischen und einen 

pneumatischen Kommentar. Von der Evangelienerklarung, die wohl 

1 besonders stark benutzt wurde, liegen teilweise verschiedene Rezensionen 

u nd arabische Ubersetzungen vor;Agg. : Matth.-u. Mark. -Kommentar 

Kron J. Sedlacek-J.-B. Chabot im CSCO II, 98 und A. Vaschalde II, 

Ef9 [ I 93 I_ 33]iKomm. zu Apk., Apg. und Kath. Briefen von J. Sedlacek, 

p5C0 II, 101). Von Erklarungen zu Vaterschriften hat sich u.a. eine 

feilche zu den Centurien des Evagrios erhalten. Aus dem Gebiete der 

E,ogmatischen Theologie werden iiberlief ert : ein Glaubensbekenntnis des 

Verfassers, eine Erklarung des nizanischen und eines jakobitischen 

Bekenntnisses ; ferner Streitschriften gegen die Juden (Ag. : J. de Zwaan, 

I, Leiden 1906), gegen die Melkiten (iiber liturg. Dinge) (Ag. : A. Mingana, 

Woodbrooke Studies I [1927]), gegen die Armenier, (ebenda IV [1931]); 

genannt werden auch solche gegen die Nestorianer, Muhammedaner 

und Gotzendiener. Liturgische Kommentare iiber die Messe, Taufe, 

Myronweihe, Weihe- und Bussritus, drei Anaphoren, eine Schrift iiber 

das Busswesen sowie Busskanones und verschiedene Gebetstexte be- 

zeugen sein Interesse fur rituelle und seelsorgliche Fragen. Von seinen 

Reden ist zu erwahnen eine bei der Weihe Michaels d. Gr. gehaltene und 

ein Buch der Vorsehung gegen die Anschauungen des Johannes von 

Mardin. Eine Darstellung . der Geschichte Edessas jener Zeit ist von 

Michael benutzt. Als Kommentar zur aristotelischen Logik wird eine 

Bearbeitung des Stoffes der Etaaycoyy] des Porphyrios und des Organons 

bezeichnet. 

Der Patr. Michael I., d. Gr., 1166/99 (§ 48- t>), hatte wahrend seiner 
langen und bewegten Regierung viel Gelegenheit, seine diplomatischen 
Fahigkeiten in Konflikten zwischen einzelnen Gruppen seiner Kirche 
und in Verhandlungen mit dem armenischen Katholikos Nerses Schnor- 
hali zu beweisen. Den wiederholten Einladungen zu den Unionsverhand- 
lungen mit dem byzantinischen Kaiser Manuel Porphyrogennetos hat er 
personlich nicht Folge geleistet; einen ganzen Monat lang weilte er 
dagegen im Feldlager des Seldschukensultans Qylydsch Arslan und 
fiihrte dort mit dem muhammedanischen Philosophen Kemal ed-Din 
mehere Religionsgesprache ; ein Traktat gegen die Albigenser, den er 
1168 schrieb, als er zum dritten Laterankonzil eingeladen wurde, ist 
verloren. Er griff auch in die Streitigkeiten zwischen Markos ibn Qanbar 
und dem koptischen Patr. Markos III. (1166/89) ern ( s - Gg. Graf, Ein 
Reformversuch innerhalb der kopt. Kirche im 12. Jh., Paderborn 1923). 
Als er im Winter 1178/79 zum drittenmal in Jerusalem weilte, wurde er 



200 



SEMITISTIK 



ARAMAISCH UND SYRISCH 



in Akko vom Konig Balduin ehrenvoll aufgenommen. Ihm verdankt 
die jakobit. Kirche 29 Kanones, eine Anaphora und vor all em eine 
Neuredaktion des Pontifikalrituales, welch letztere noch in der zu seinen 
Lebzeiten angefertigten Hs. Vat. syr. 51 vorliegt (s. J.-M. Voste, OCP i 2 
[1940], S. 205-7). Das grosse Geschichtswerk, in 21 BB. bis 1195 reichend 
in dem viele altere Urkunden und Chroniken verarbeitet sind und das 
schon 1248 eine verkurzte armenische Obersetzung, und im 18. Jh. eine 
arabische erfahren hat, ist von J.-B. Chabot, Chronique de Michel U 
Syrien, Paris 1899-1924, mit franzosischer Obertragung herausgegeben 
worden; in den 6 Anhangen ist u.a. auch eine Liste der j akobitischen 
Patriarchen beigefugt, in der von 792 ab die Namen der von ihnen ge- 
weihten Bischofe notiert sind. Das Werk ist so angeordnet, dass in 3 
Kolumnen die Kirchen- und Profangeschichte und verschiedene Tatsachen 
und Ereignisse dargestellt sind. 

Theodoros bar Wahbun f 1192 (§ 48. c), Schiiler und eine Zeitlang 
Sekretar Michaels und sein Vertreter bei den Verhandlungen mit 
Armeniern und Griechen, warf sich zum Gegenpatriarchen auf. Von 
ihm haben wir eine Anaphora, die dadurch bemerkenswert ist, dass die 
einzelnen Gebete aus alteren Formularen mosaikartig zusammengefugt 
sind. Aus dieser Periode stammen auch eine Anzahl anderer Anaphoren 
{§ 48- d). 

Ein Parallelwerk zur Geschichte Michaels, aber unabhangig von diesem, 
ist die anonym iiberlieferte Chronik v. J. 1234 (§ 4&- e) (Ag. : J.-B. Chabot, 
CSCO III, 14-15 [1916/37]) ; sie zerfallt in einen kirchen- und in einen 
profangeschichtlichen Teil, im ersteren ist Dionysios v. Tell Mahre 
stark benutzt; sehr reich sind die Nachrichten uber die Geschichte 
Edessas in jener Zeit. Der Patr. Johannes bar Ma'dani f 1263 (§ 49. i) 
ist Verfasser einer Anaphora und von Gedichten, drei davon sind ver- 
offentlicht von Jos. Kelaita im Anhange des Eden-Paradieses des 
'Abdlscho' 1924. Jakob bar Schakko, als B. von Mar(j) Mattai Severos 
genannt, f 1241 (§ 50. f), bekannt vor allem als Verfasser eines vier- 
teiligen ,,Buches der Schatze", einer Art theologischer Summa, und des 
,,Buches der Dialoge", das in zwei BB. eine profanwissenschaftliche 
Enzyklopadie darstellt (vgl. Gius. Furlani, La Logica net Dialoghi M. 
Sev. b Schakko [Atti del Reale Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti 
86 (1926/7), S. 289-348]). 

Den Hohepunkt, aber gewissermassen auch den Abschluss der litera- 
rischen Leistungen der j akobitischen Kirche bedeutet die Tatigkeit des. 
Polyhistors Gregor Abu J l-Faradsch bar Hebraja (Barhebraus) (§ 51. a-f), 
dessen staunenswerte Vielseitigkeit noch einmal das Erbe der fruheren 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 2 0I 

Zeiten zusammenfasst. Geboren in Melitene als Sohn eines Arztes 
jiidischer Abstammung, hielt er sich einige Zeit in Tripolis an der 
synschen Kuste auf, wo er einen nestorianischen Lehrer in Logik und 
Median hatte, wurde nach einiger Zeit Bischof von Gubbasch und 
Laqabin und schliesslich von Aleppo; von 1264 an bekleidet er die Wurde 
des Maphrians, hat aber seinen Sitz in Tagrit nur voriibergehend auf- 
gesucht Bei wiederholten Besuchen in Bagdad stand er in Beziehungen 
zu den Nestonanern; meist hielt er sich in Mossul und Maragha in 
Aserbeidschan auf, wo er 1286 starb; einen Bericht iiber seine letzten 
Lebenstage hat sein Bruder Barsauma hinterlassen (vgl noch E A 
Wallis Budge, The Chronography of B. H., Oxford 1932 S XV-XLIV 
und Peter Kawerau, Die jakobitische Kirche im 12 und i 3 Jh 
Idee und Wirklichkeit [mit einer Karte], phil. Diss. Gottingen 1048 
[Maschmenschrift], ^^ 

Von seinen Schriften ist zunachst „Die Scheune der Geheimnisse" zu 
nennen, em Schohenkommentar zum A und NT, der zum Teil von den 
exegetechen Werken des Dionysios bar Salibi und dadurch auch von 
scho dad von Merw beeinflusst ist, aber auch armenische und koptische 
Lesarten benutzt; einzelne Stiicke wurden friiher haufig als Dr -Disser 
tationen vorgelegt. Fur das AT ist jetzt eine splendide Gesamtausgabe 
in Angnf f genommen : B. Scholia on the Old Testament. Part I Gen -_ II 
Sam., edited by Martin Sprengling and W. C. Graham the Text 
facsimile, accompanied by a page by page translation, Chicago 1032- 
ob mzvvischen eine Weiterfiihrung erfolgt ist, blieb mir leider unbekannt' 
Eine Textausgabe mit englischer Obersetzung der Scholien zu den 
Evangehen veranstaltete W. E. Carr, Commentary on the Gospels from 
the Horreum mystenorum, London 1925. Aus dem Ps.-Hierotheos des 
btephan bar Sudaile haben wir von B. Ausziige, die offenbar die Grund- 
lage ernes Kommentars bilden sollten; die Londoner Hs. Br Mus 8so 
ist wahrscheinlich das Original des B. Die Dogmatik ist in dem'aus- 

Kt T "^ d6r LeUCMe d6S Heili § tums '^ m 12 Fundamente 
emgeteilt, erhalten, dazu treten noch eine kiirzere Bearbeitung im 
..Buche : der Blitze" und eine kiirzeste Zusammenfassung des Glaubens- 
bekenntmsses (eine Ag. des grosseren Werkes ist begonnen von J. BardS 
Vn 22 J? ^o 24 ' 3; V6rgL GlUS - FuRLANI ^ B - suWanima mzionale 
ZlTn I ' • S \ I (I932) ' S " ^^-mivz^LademonologiadiB. 
[m RStOr 16 (1927) S, 375/87]; H. Koffler, Die Lehre des B. von der 

EZ, A L uf ef ' [ ° C 28 ' * (I932)]) " DaS fiir seine Kirche blende 
K ( mi lf™ c ^ des Ehe- und Strafrechts) hat er im „Buche der 
^eitungen (Nomokanon) zusammengefasst; vgl. Carlo Alfonso Nallino 



202 



SEMITISTIK — ARAMAISCH UND SYRISCH 



II diritto Musulmano nel Nomocanone sir. cristiano di B. [RStOr 9 (1921/23) 
S 512-80] und Ancora il libro Siro-Romano di diritto e B. [ebenda I0 
(1023/5) S 78-86] Die Sittenlehre behandelt er im mystischen Smne und 
in starker Abhangigkeit von al-Ghazzali im „Buche der Ethik" und 
verkiirzt speziell fiir klosterliche Asketik im „Buche der Taube ; letzteres 
ist iibersetzt von Arent Jan Wensinck, B.s Book of the Dove, Leiden 
igiq und A second source of B.s Mystic Works in New Data concerning 
syriac mystic literature [in M ededeelingen d. KoninkL Akademie van 
Wetenschappen, Afdeeling Letterkunde, deel 55, ser. A. nr 4 (1923) 
S 9-21] Noch nicht im Drucke zuganglich ist seme im „Buche des 
Rahmes der Weisheit" niedergelegte gewaltige Gesamtdarstellung des 
Systems der aristotelischen Philosophie (vgl. Gius. Furlani, La psicho- 
logia di B. secondo il libro „La crema delta Sapienza" [RStOr 13 (1931), S. 
24-52] und Di tre scritti in lingua siriaca di B. sulV anima [ebenda 14 
fiq?2 ' S 284-308]; iiber den Wortlaut des Titels s. H. F. Janssens 
in LM 43 (1930), S. 365-72]). Einen Abriss der Logik Physik und 
Metaphysik giebt B. im „Buche der Weisheitsunterhaltung Ag .: 
H F. Janssens, L'entretien de la sagesse [Bibliotheque de la Faculte de 
Philosophie et Lettres a Vuniversite de Liege, Fasc. 75 (1937)]- Eme a ^ s " 
fiihrliche Darstellung des logischen Stoffes des Organons enthalt das 
Buch der Pupillen" (letzte Ag. von H. F. Janssens [im American 
"journal of Sem. Languages 47 (1930), S. 26-49; 94^34; f ( I 932), b. 
210-36; 52 (1935), S. 1-23]). Blosse Oberarbeitungen Oder geradezu 
Obersetzungen aus dem Arabischen (Ibn Sina) smd „Das Buch des 
Traktates der Traktate", „Das B. der Winke und Anregungen und 
Das B. des Markes der Geheimnisse". Ebenfalls nach arabischem 
Vorbilde ist seine (grosse) Prosa-Grammatik, „Das Buch der Strahlen 
abeefasst (Ag.: Axel Moberg, Le livre des splendeurs, Lund 1922, 
deutsche ttbersetzung, Leipzig 1907/13); an sie schliesst sich eme 
kiirzere metrische Darstellung an, eine prosaische Zusammenfassung 
des Stoffes, „Das B. des Funkens" ist unvollendet gebheben. 
Im B. des Vernunftaufstieges" giebt er ein Handbuch der Astronomie 
(Ag" Francois Nau, Le livre de I'ascension de V esprit [Bibhoth. a* 
I'gcole des Hautes Etudes, fasc. 121], Paris 1899). 

Der Geschichtsschreibung dient seine grosse Chronographie, die z 1. 
von Michael d.Gr. abhangig, in zwei Abteilungen: Weltgeschichte 
(Chronicon syriacum) und Kirchengeschichte (Chron. ecclesiasticum 
umfasst (letzte Ag. des Chron Syr.: The Chronography of B von 
E A Wallis Budge, Oxford 1932, Bd. I, engl. Ubersetzung, Bd. a. 
syrischerTextim Facsimiledruck der Hs. Bodl. Huntington 52). W 



DIE ARAMAISCHE UND SYRISCHE LITERATUR 



203 




^xabische Bearbeitung der Weltgeschichte ,,Geschichte der Dynastien" 
[tegte er fiir muhammedanische Leser vor. Ganz aus dem Rahmen seiner 
Lissenschaftlichen Tatigkeit, aber wohl dem Lesebediirfnis mancher 
rKreise entsprechend, ist sein „B- ergotzlicher Erzahlungen", bisweilen 
techt bedenklichen Inhalts. Als Poet hat er sich hauptsachlich in Lehr- 
toid Gelegenheitsdichtungen betatigt; besonders beliebt waren bei den 
Syrern ein ofters mit Kommentar versehenes Poem iiber die gottliche 
Weisheit und ein Memra in Distichen, das sogar von Spatern nestoriani- 
fchen Dichtern Erweiterungen erfuhr. Uber arabische Werke und 
t)bersetzungen s. GCAL II, 272-81. Die Geschichtsdarstellungen B.s 
^.aben fiir die Kirchengeschichte zwei Fortsetzungen bis 1495 bzw. 1582, 
fiir die Profangeschichte bis 1297 erfahren. 

Mit seinem Tode beginnt ein jaher Absturz der literarischen Tatigkeit 
Jnnerhalb der jakobitischen Kirche, wesentlich veranlasst durch die 
politischen Ereignisse. Einige Anaphoren sind noch im 13/14 Jh. ent- 
£tanden (vgl. das Gesamtverzeichnis bei J. M. Hanssens, Institutiones 
liturgicae de ritibus orientalibus III, Rom 1932, S. 596-615). tjber den 
Mystiker Mas'ud v. Tur 'Ahdin, als Bischof Basileios, aus der 2. Halfte 
Cfes 15. Jhs (§ 53. e) berichtet J. M. Voste in LM 49 (1936) ; sein Werk 
, r Das geistliche Schiff" im i2silbigen Versmass wurde von B. L. van 
^Ielmond als Vol. 14 der ,, Bibliotheque du Mus6on" 1942 heraus- 
gegeben. 

9. Melkiten und Maroniten. — In der melkitischen Liturgie West- 
r $yriens (Patriarchat Antiochien) wurden die gottesdienstlichen Texte 
atwa von 1000 bis 1600 ins Syrische iibersetzt, das dann allmahlich dem 
Arabischen Platz machte. Ein besonders beachtenswertes Dokument ist 
beuerdings bekannt geworden, ein Rituale fiir Kirchenkonsekration, 
Wei Reihen von Ordinationstexten und die sogenannte Nilliturgie, in 
griechischer, edessenisch-syrischer, palastinensisch-syrischer und arabi- 
icher Sprache (Ag. : Matthew Black, Rituale Melchitarum, edited and 
translated, Bonner Orientalist. Studien, Heft 22, Stuttgart 1938; vgl. dazu 
|H. Engberding, Eine neuerschlossene, bedeutsame Urkunde zur Ge- 
schichte der ostlichen Weiheriten, OrChr, 3. Ser., 14 [= 36] [1939], 

f- 38-51). 

Bei den Maroniten steht die Liturgie unter starkem Einfluss der west- 
syrischen, wenn auch die Anaphora der zwolf Apostel oder des Apostel- 
fiirsten Petrus eine gewisse Verwandtschaft mit der ostsyrischen auf- 
weist (vgl. H. Engberding, OC, 3. Ser. 7 (= 29) (1932), S. 32-48, und 
12 (= 34), S. 213-24). Ein kanonistisches Sammelwerk, das in der Mitte 
des 11. Jhs. aus dem Syrischen ins Arabischen iibertragen wurde, ist 



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SEMITISTIK 



ARAMAISCH UND SYRISCH 






das „B. der Fiihrung" (Ag. : Kitab al-huda, ou livre de la direction; 
traduit du Syriac en Arabe, par l'eveque David en 1059, publie par 
Pierre Farhad, Aleppo 1938; vgl. Gg. Graf, OC 3. Ser. 11 (=33), 
S. 212-32 und GCAL II, S. 94-98). Dem Johannes Maron, der ins 7. Jh. 
vordatiert wird, schreiben maronitische Autoren eine dogmatische 
Katene, die das Werk des Joh. v. Dara iiber das Priestertum ist, und 
eine Liturgieerklarung zu, die im wesentlichen mit der des Dionysios 
bar Salibi identifiziert werden muss. 

Anton Baumstark f 
Adolf Rucker f 

Unmittelbar nach dem Abschlusse dieses Oberblicks iiber die syrische Uteratur ist auch 
Adolf ROcker nach langerem Leiden am 13. Nov. 1948 in Munster/Westf. heimgegangen. 

B. SP. 



DRITTER ABSCHNITT 



ARABISCH UND ATHIOPISCH